Können Lebensversicherungen auch nachhaltig sein? Wir haben für sie die wichtigsten Kriterien herausgesucht, woran man eine wirklich nachhaltige Lebensversicherung erkennt. Vorab: Der Zweitmarkt für Lebensversicherungen spielt darin eine zentrale Rolle.

1. Langfristigkeit

Gibt es eigentlich nachhaltige Altersvorsorge? Götz Schünemann von der Stuttgarter Lebensversicherung verweist dabei auf die Langfristigkeit seiner Verträge. 30 Jahre sind dabei keine Seltenheit. Kontinuität und Anlagesicherheit gehören daher zu den wesentlichen Hauptkriterien einer nachhaltigen Anlage. Die Kreislaufwirtschaft ist als nachhaltige Alternative zur Linearwirtschaft bekannt, bei der es darauf ankommt, Ressourcen durch Wiederverwendung zu schonen. Auch die Finanzwirtschaft kennt solche Beispiele. Dort gibt es Zweitmärkte, auf denen langfristige Anlageprodukte gehandelt werden können. Langfristanlagen sind notwendig, weil beispielsweise Engagements in der Infrastrukturentwicklung oder im Anlagenbau so kostenintensiv sind, dass Sie nur auf lange Sicht Rendite abwerfen können. Dennoch kann es passieren, dass der Investor vor Ablauf des vereinbarten Anlagezeitraums Liquidität benötigt. Ohne diese Zweitmärkte könnten beispielsweise Fondsbeteiligungen gar nicht – und Lebensversicherungen nur mit hohen Kosten liquidiert werden. Wichtig ist, dass sich ein Käufer findet, der für den ursprünglichen Investor einspringt und sein Engagement an seiner statt weiterführt. Deswegen werden Lebensversicherungen nach Ankauf nicht gekündigt – sondern bis zum Ablauf gehalten. Der Verkäufer erhält in der Regel nicht nur einen Kaufpreis über Rückkaufswert ausgezahlt – aufgrund der Weiterführung bleibt auch ein beitragsfreier Rest-Versicherungsschutz gemäß AGB erhalten. Das UN Lehrbuch „Principles of Responsibility Management“ erwähnt den Lebensversicherungs-Zweitmarkt sogar als Musterbeispiel.

2. Nachhaltige Anlagepolitik

In der Assekuranz gibt es zahlreiche Ideen, Versicherungen nachhaltig zu gestalten werden können. So belohnt der Anbieter Greensurance besonders nachhaltigen Lebensstil durch niedrigere Prämien. Auch bei der KFZ-Versicherungen sind Belohnungen von Wenigfahrern oder Besitzern von Öko-Autos denkbar. Nachhaltige Krankenversicherer unterstützen vor allem alternative Behandlungsmethoden. Nachhaltige Lebensversicherungen zeichnen sich vor allem durch eine nachhaltige Anlagepolitik aus: So investiert der Verein für alternative Versorgungskonzepte (VAV) die Prämien der Versicherten beispielsweise in Gesundheitszentren, Kliniken und nachhaltige Wohnimmobilien. Auch Solarparks und Fonds wie der Gerling Responsibility Fonds gehören zum Portfolio nachhaltiger Versicherer. Allerdings müssen Lebensversicherer auch in erster Linie ihr Kapital breit streuen, um dem Schwankungsrisiko zu entgehen. Aber auch das widerspricht aber nicht grundsätzlich dem nachhaltigen Ansatz.

3. Niedrige Stornoquote

Angesichts der zunehmend wichtiger werdenden Stornoquote als Qualitätskriterium für Versicherungen rückt auch die Nachhaltigkeit von Kundenbeziehungen immer mehr in den Mittelpunkt. ServiceValue und AMC befragten über 5.000 Kunden von Versicherern zum Thema Kundenorientierung um deren Nachhaltigkeit zu messen. Befragt wurden beispielsweise zu Aspekten gesellschaftlich verantwortlichen Handelns, aber auch, inwiefern Kundentreue belohnt wird. Die besten Ergebnisse lieferte dabei LVM, gefolgt von HUK Coburg. Marktführer Allianz erreichte den 12. Platz.

4. Ermöglichung von Weiternutzung

Auch Shareconomy wird zunehmend zu einem wichtigen Wirtschaftstrend der Zukunft: Ob Bücher, Kleidung oder Fahrkarten, in vielen Branchen greift das Tausch- und Teilen-Fieber um sich, ein Trend, der mit einem grundsätzlichen Wertewandel in der Gesellschaft begründet werden kann, in der Familie und das soziale Umfeld oberste Priorität besitzen. Wichtigstes Merkmal dabei: Nutzung von Produkten und Zugang zu Dienstleitungen sind heute wichtiger, als die Dinge selbst zu besitzen. Auch im Finanz- und Versicherungswesen ist dieser Trend mittlerweile angekommen. Wer eine Lebensversicherung hat und Geld benötigt, kann auf dem Zweitmarkt auch seine Lebensversicherung verkaufen. Dort erwirbt ein Dritter die Police und führt diese weiter. Die versicherte Person behält also trotz Verkauf ihrer Police noch einen beitragsfreien Rest-Versicherungsschutz.

5. Berücksichtigung aller Anspruchsgruppen

Der Zweitmarkt für Lebensversicherungen stellt auch aufgrund des darin innewohnenden Stakeholdergedankens ein gutes Beispiel für eine nachhaltige Marktinnovation dar. Der Begründer des Stakeholdergedankens Edward Freeman wurde dafür 2014 mit dem CSR-Preis geehrt worden. Der Wirtschaftswissenschaftler Edward Freeman, der vielen als Vater des Stakeholderprinzips bekannt ist, hatte sich bereits in den frühen Achtziger Jahren für eine Abkehr von einer einseitigen Shareholder Value-Betrachtung hin zu einer verstärkten Berücksichtigung sämtlicher für ein Unternehmen relevanten Interessengruppen eingesetzt.

6. Transparenz in der Kommunikation

Einmal im Jahr erhält der Versicherte von seinem Versicherer die Wertmitteilung zugeschickt. Diese ist oft jedoch schwer verständlich. Versicherer verstecken sich oft hinter Fachausdrücken und lassen ihre Kunden in Bezug auf ihre Leistungen im Unklaren. Gegenüber der Versicherungswirtschaft fordert der BVZL als größter institutioneller Versicherungsnehmer deshalb mehr Transparenz, insbesondere bei den Wertmitteilungen. Dort ist die Bandbreite an Qualität und Verständlichkeit außerordentlich hoch, was die Vergleichbarkeit der Lebensversicherungen untereinander erschwert. Der Verband hat daher eine Muster-Wertmitteilung erarbeitet und zeigt konkrete Beispiele auf, wie Versicherer ihre Kundenkommunikation verbessern können. Erste Fortschritte gibt es schon. Seit Kurzem sind Versicherer dazu verpflichtet, Ihre Ertragsquellen und deren Verwendung auf ihren Webseiten offenzulegen.

7. Mehrwert für den Verbraucher

Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisiert an der Lebensversicherung, dass diese Kapital über Jahrzehnte binde und dem Anleger die Flexibilität verloren ginge. Deswegen ist eine gute Beratung bei Erstabschluss so wichtig. Dort nämlich erfährt der Versicherte im günstigsten Fall, dass er bereits vor Vertragsablauf mehrere Optionen zur teuren Kündigung hat, beispielsweise dem Verkauf auf dem Zweitmarkt, worauf die Verbraucherzentrale auf ihre Webseite hinweist. In Großbritannien der Hinweis auf dem Zweitmarkt bereits seit 2001 gesetzlich vorgeschrieben, in Deutschland sollte der Hinweis auf jeden Fall zum Bestandteil der Best-Advice-Beratung sein. Auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat auf seiner Webseite Beispiele für verantwortungsvolle Unternehmensführung vorgestellt. Darunter befindet sich auch Policen Direkt. Unter dem Titel „Mehrwert für Unternehmen und Gesellschaft“ stellt das BMAS Policen Direkt als Unternehmen vor, das im Begriff ist, die „Vorreiterrolle im Zweitmarkt für Lebensversicherungen“ einzunehmen. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund von Bedeutung, dass auf dem Markt auch unseriöse Policenankäufer aktiv sind. Policen Direkt setzt dabei gezielt auf die Bedienung der Stakeholderinteressen. Die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die einzelnen Anspruchsgruppen wurden gemessen und dokumentiert. Ziel von Policen Direkt ist es, den finanziellen und immateriellen Mehrwert für die betroffenen Anspruchsgruppen langfristig steigern und damit auch wichtige Ergebnisse für die Umsetzung des Best-Advice-Prinzips in der Finanzberatung liefern zu können. Die 7 wichtigsten Nachhaltigkeitskriterien der Lebensversicherung in Kürze
  1. Langfristige Verträge
  2. Nachhaltige Anlagepolitik
  3. Niedrige Stornoquote
  4. Ermöglichung von Weiternutzung, z.B. im Zweitmarkt
  5. Stakeholdergedanke: Alle Anspruchsgruppen werden berücksichtigt
  6. Transparenz bei der Kundenkommunikation
  7. Verbraucherschutz: Finanzieller und immaterieller Mehrwert für Verbraucher
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