Wer arbeitslos wird, gerät ohne Rücklagen schnell in finanzielle Not. Vorschnelle Entscheidungen können lange Schmerzen und dennoch kann es sinnvoll sein, sich über die Lebensversicherung Liquidität zu beschaffen. Mit einem Policendarlehen lässt sich eine schwierige Phase überbrücken. Wer sich dennoch von seiner Lebensversicherung trennen muss, beispielsweise weil ihn die Agentur für Arbeit dazu nötigt, sollte zuerst versuchen, die Police auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen zu verkaufen.

Wenn Sie Ihre Rentenversicherung kündigen, hat das nicht nur Folgen für Ihre Altersvorsorge. Das kann direkt auch teuer werden. In den Rückkaufswerten der Lebensversicherungen sind nämlich oft hohe Stornokosten versteckt. Passen Sie auch auf, wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) haben. Es gibt die Möglichkeit, die BU bei Verkauf der Police zu behalten. Wer hier vorschnell kündigt und irgendwann wieder eine neue benötigt, muss dann meist tiefer in die Tasche greifen.

Arbeitslosengeld: Lebensversicherung nicht einfach kündigen

Wer arbeitslos wird, muss seine monatlichen Belastungen mit 67 Prozent seines Einkommens bestreiten, wenn noch Kinder im Haushalt leben. Ohne Kinder gibt es sogar nur 60 Prozent des letzten Gehaltes als Arbeitslosengeld. Eine Lebensversicherung kündigen wegen Arbeitslosigkeit ist dennoch keine Option. Die Lebensversicherung verkaufen sollte nur, wer dringend Geld benötigt und auf absehbare Zeit diese Summe auch nicht zurückbezahlen kann. Zur Überbrückung kann ein Policendarlehen oder der Verkauf mit Rückerwerbsoption die richtige Wahl sein.

Wer über 50 Jahre ist, bekommt mitunter bis zu 24 Monate lang Arbeitslosengeld, alle anderen in der Regel 12 Monate – ohne Fragen zu möglicherweise veräußerbarem Vermögen.

Hartz IV: Lebensversicherung ist möglicherweise Schonvermögen

Wer auf die Grundsicherung (Hartz IV) angewiesen ist, muss dagegen sein Vermögen offenlegen. Was über bestimmte Freibeträge hinausgeht, muss veräußert werden bevor die Agentur für Arbeit die Leistungen ausbezahlt.

Wer eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung für die Altersvorsorge besitzt, kann sich möglicherweise auf diesen Satz berufen. Wer seine Police nämlich unter Wert verkaufen müsste, wenn beispielsweise der Rückkaufswert unter den einbezahlten Beiträgen liegt, kann hier die vorzeitige Liquidierung des Vertrages mitunter vermeiden.

Wer jedoch seine Police zu Geld machen muss, kann mit bestimmten Freibeträge rechnen:

  • Wer heute 60 Jahre alt ist, darf vom Erlös immerhin noch 48.750 Euro behalten.
  • Wer 55 Jahre alt oder jünger ist, hat hier einen Grundfreibetrag von 50.250 Euro.

Wer gezwungen ist, sein Guthaben aufzulösen, der sollte auf keinen Fall seine Police kündigen, sondern diese auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen verkaufen. Dort erhalten Versicherte nicht nur einen höheren Kaufpreis ausgezahlt. Sie erhalten sich dadurch auch zusätzlich einen beitragsfreien Rest-Todesfallschutz gemäß AGB.

Weitere Optionen sind das Policendarlehen oder der Verkauf mit Rückerwerbsoption, falls im Vertrag wertvoller Schutz gegen Berufsunfähigkeit (BU) enthalten ist.

Policendarlehen: Die günstige Alternative

Als Alternative zum Ratenkredit bietet sich das Policendarlehen an. Achten Sie aber ganz genau auf die Konditionen. Versicherer bieten hier oft nicht die besten Bedingungen: deutlich bessere Konditionen bekommen Sie bei auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen, bei Anbietern wie Policen Direkt. Vorteil: der Policenkredit kann ohne Schufa-Eintrag vergeben werden. Die meisten Banken akzeptieren den Rückkaufswert der Lebensversicherung als Sicherheit, weswegen gerade auch Selbständige auf dieses Angebot zurückgreifen.

Warum man die Lebensversicherung nicht kündigen sollte

Verbraucherschützer warnen eindringlich vor der Kündigung einer Lebensversicherung. Dabei machen Verbraucher in der Regel Verlust: Sie verlieren sofort den Versicherungsschutz und müssen mit hohen Stornoabzügen rechnen. Denn ein Großteil der in Aussicht gestellten Schlussüberschüsse geht im Kündigungsfall verloren. Vor Kündigung sollte also in jedem Fall ein Verkauf auf dem Zweitmarkt geprüft werden.

Auch Beitragsfreistellung kann zur Vertragskündigung führen

Aber auch eine mitunter empfohlene Beitragsfreistellung kann die sofortige Kündigung der Lebensversicherung bewirken, sofern eine festgelegte Mindestversicherungsleistung nicht erreicht worden ist. Das OLG Frankfurt (Az 3 U 131/13) hat die Klage eines Versicherten zurückgewiesen, der eine Beitragsfreistellung beim Versicherer beantragt hatte und stattdessen seinen Rückkaufswert ausgezahlt bekam. Die indirekte Kündigung ließ sich nicht rückgängig machen, was in dem speziellen Fall besonders ärgerlich war, weil eine im Vertrag enthaltene Berufsunfähigkeitszusatzversicherung so mitgekündigt wurde.

Benötigen auch Arbeitslose eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Jeder vierte Arbeitnehmer oder Selbständige wird berufsunfähig. Die Erwerbsminderungsrente reicht nicht. Zusätzliche Absicherung der Arbeitskraft ist deshalb notwendig, eine BU ist damit mehr als sinnvoll. BU-Schutz neu zu bekommen, ist schwer. Denn wer sich neu versichern muss, zahlt in der Regel mehr. Wer sich als Handwerker mit 50 neu versichern muss, zahlt für eine BU-Rente (1.000 Euro) mehr als 350 Euro im Monat. Als 30-jähriger bekommt er diesen Schutz für rund 50 Euro.

Auch Gesundheitsfragen müssen meist neu beantwortet werden, im fortgeschrittenen Alter ist das unter Umständen nicht mehr so leicht. Dass Verträge ohne Gesundheitsfragen sind hier nicht die beste Option. Mögliche Nachteile sind:

  • höhere Beiträge
  • eingeschränkter Schutz
  • Wartezeiten
  • Einschränkungen bei der Möglichkeit zur Nachversicherung

Wer wichtige Zusatzversicherungen Wie BU-Schutz in der Lebensversicherung hat, sollte bei Geldbedarf über einen Verkauf mit Rückerwerbsoption nachdenken. Denn selbstverständlich kann auch ein Arbeitsloser berufsunfähig werden. Damit hat er Anspruch auf die Leistungen seines Vertrages.

Übrigens: Mit einer privaten Arbeitslosenversicherung können Sie im Fall einer Kündigung Ihren Lebensstandard halten und finanzielle Lücken schließen. Während die sozialen Folgen einer Arbeitslosigkeit kaum bezifferbar sind, lassen sich wirtschaftliche Folgen dagegen so minimieren.

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