Taugt die Lebensversicherung zur Geldanlage?

Taugt die Lebensversicherung zur Geldanlage?

Wie schon die Hamburger Verbraucherzentrale (“Lebensversicherung zur Altersvorsorge ungeeignet”) schießt nun auch der österreichische Konsumentenschutz gegen die Lebensversicherung: Sie lohne sich nicht mehr, da die Rendite so gering sei. Eine Warnung, die Ronald Barazon von den Salzburger Nachrichten für vollkommen verfehlt hält. Seine Begründung: “Eine Lebensversicherung ist eine Versicherung und kein Sparbuch und kein Wertpapier”. Barazon zufoge ist eine attraktive Verzinsung der Lebensversicherung selbstverständlich wünschenswert, aber keinesfalls die Hauptsache, weshalb die Warnungen der Österreichischen Arbeiterkammer verfehlt seien. Mitschuld trugen Barazon zufolge aber auch die Versicherer selbst: Diese hätten sich jahrelang die Jagd nach hohen Renditen auf die Fahne geschrieben und mit Fondspolicen die Erwartungen hoch gesetzt. Mittlerweile hätte Katerstimmung eingesetzt. Gleichzeitig sei durch die Fondspolicen das Vertrauen in die Lebensversicherung insgesamt erschüttert worden, so Barazon weiter. Dennoch rücke in Folge der Finanzkrise die klassische Lebensversicherung wieder in den Vordergrund, denn: “Das Produkt ist im Rahmen der Instrumente der Altersvorsorge unverzichtbar und zu kostbar, um als Scheinskandal für das Sommerloch zu dienen”, so das Fazit des Autors. Ein reines  Wertpapier stellt die Lebensversicherung übrigens nur auf dem Zweitmarkt dar, wo Policen, darunter auch fondsgebundene Versicherungen verkauft werden können. 

Das Anlageproblem des Mittelstands 

Vor allem der deutsche Mittelstand habe ein echtes Geldanlageproblem, wie das manager magazin schreibt. Danach müssen einer Umfrage zufolge 60% der Befragten überschüssige Beträge anlegen. Im Schnitt seien das 3 Millionen EUR – eine Verdoppelung gegenüber 2007. Da sowohl Sicherheit als auch kurzfristige Flexibilität im Vordergrund stehen, scheiden viele Anlageformen aus. Was bleibt, sind Anlagen mit mikroskopischer Verzinsung, so die Autorin Meike Schreiber. Dies seien Wertpapiere mit kurzer Laufzeit. Diese würden zwar wenig erwirtschaften, seien aber jederzeit liquidierbar. Für Unternehmen, die mitunter auch kurzfristigen Kapitalbedarf haben, ist dies besonders wichtig. Sichere Anlageprodukte mit vergleichsweise hoher Verzinsung sind beispielsweise Zweitmarktpolicen. Diese haben eine durchschnittliche Verzinsung zwischen 4 und 5% – bei gleichen Sicherheiten, die eine Lebensversicherung auf dem Erstmarkt auch bietet. Die Restlaufzeiten sind frei wählbar. Zudem kann man im Falle eines kurzfristigen Liquiditätsbedarfs seine Police jederzeit auf dem Zweitmarkt verkaufen – oder notfalls auch zu jedem Zeitpunkt kündigen. 

Der Zweitmarkt löst das Wiederanlageproblem 

Ein anderes Szenario: Ein Mann, Ende 40, erbt eine halbe Million Euro. Wo legt er das Geld an? Ein Luxusproblem sicherlich, wie die FAZ zugibt. Aber eben doch – ein Problem. Parkt man das Geld auf einem Girokonto mit Sonderzinsen, wird man kaum die Inflationsrate übertreffen, so der Autor Volker Looman. Die Prämisse: “Der Mann will die Erbschaft langfristig, sicher und rentabel anlegen”. Auch der Sparbrief scheidet aus. Hier ist die Laufzeit einfach zu kurz. Das Wiederanlageproblem stellt sich dann erneut. Das Inflationsproblem bleibt. Aus diesem Grund empfiehlt der Autor, das Geld in eine Kapitallebensversicherung zu investieren: “Entscheidend ist die Möglichkeit, einer Versicherung einmalig 500.000 Euro in die Hände zu drücken und in 20 Jahren das Kapital nebst Zinsen wieder zu bekommen”. Der aktuell niedrige Garantiezins könne dabei in Kauf genommen werden, so Looman weiter. dabei gibt es eine viel bessere Lösung – nämlich der Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Dieser bietet die gleichen Sicherheiten, wie der Erstmarkt – bei wesentlich geringeren Kosten, was zur Folge hat, dass die Renditen hier viel höher liegen, nämlich bei aktuell 4,93%, wie die Leistungsbilanz zeigt. Wer also die Lebensversicherung mit anderen Anlageprodukten vergleicht, sollte aber auch mit einbeziehen, dass es sich dabei um eine Kombination von Spar- und Versicherungsproduukt handelt. Wer an einer Lebensversicherung als reine Assetklasse interessiert ist, für den wäre eher eine Altpolice auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen interessant.

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