Versicherung als Netzwerk: Eine Idee aus der Antike setzt sich durch

von Henning Kühl | | Infos, News, policendirekt

Vom Gastmahl zum Kreditverein: Die Eranos-Idee der Antike 

In seiner Eröffnungsrede auf dem Marketing Symposium 2012 der BNP Paribas Cardif am 29. November 2012 sorgte sich Blogger und Journalist Sascha Lobo um die Zukunft des Versicherungswesens: „Das Prinzip der Versicherung ist das Prinzip des Netzwerks“ so seine Botschaft an die versammelten Vertreter der Versicherungsbranche. Dieser Gedanke geht auf das zentrale Grundprinzip der Versicherung zurück. Bereits im alten Griechenland versammelten sich Gleichgesinnte zu einem gemeinsamen Gastmahl, dem Eranos (έρανος), bei dem sie ihre eigenen Speisen zum kollektiven Verzehr mitbrachten. Aus diesen kulinarischen Gruppenveranstaltungen, die man in der heutigen Sprache eher als „Bring-your-own-Party (BYO)“ bezeichnen würde, bildete sich im 6. Jahrhundert v. Chr. die rechtlich eigenständige Form des Eranosvereins heraus. In den Solonischen Gesetzen wird der Eranosverein als eigenständige juristische Person bezeichnet, die nach heutiger Auffassung auch als Kreditverein auftrat, welcher satzungsgemäß das Ziel hatte, bedürftige Mitglieder finanziell zu unterstützen. Die neugriechische Bedeutung von Eranos wird daher auch als „Fundraising“ oder „Spendensammlung“ übersetzt. Wirtschaftshistoriker sehen im Eranosverein einen frühen Prototypen des Versicherungsgedankens verwirklicht.  

Alle für Einen – oder Einer für Alle? 

Die Versicherung ist nach dieser sehr alten Auffassung also eine Institution, bei der eine Gemeinschaft – die Versichertengemeinschaft nämlich – für Einzelne eintritt. Es scheint, dass dieser alte Gedanke oft vergessen wird, wie das beispielsweise bei der aktuellen Diskussion um die Neuregelung der Bewertungsreserven den Anschein hat. Mit dieser Neuregelung, die am 21. Dezember 2012 in Kraft treten wird, soll sichergestellt werden, dass Bewertungsreserven auf Kapitalanlagen, die das Versicherungsunternehmen zur Sicherstellung der Garantien an die Versicherungsnehmer erworben hat und somit weiter benötigt bei sinkenden Kapitalmarktzinsen im Unternehmen verbleiben können. In der Presse sorgte diese Meldung zunächst für großes Aufsehen, da der Versicherte bei Auszahlung seines Rückkaufswertes nun weniger ausgezahlt bekommt, als dies bei der alten Regelung der Fall gewesen wäre. Dies trifft somit Versicherte, die per Kündigung vorzeitig aus dem Vertrag austreten wollen. Ein vorzeitiges Verlassen der Versichertengemeinschaft schädigt diese jedoch, denn der Kapitalabfluss hatte bislang zur Folge, dass die Versicherer langfristige Beteiligungen vorzeitig auflösen mussten. Damit entging der Versichertengemeinschaft der langfristige Gewinn. Dies soll die Neuregelung nun verhindern – mit ein Grund, warum Elke König, die Präsidentin der BaFin die Debatte für ein „großes Missverständnis“ hält. 

Policen Direkt übernimmt mit der Police auch alle Verpflichtungen 

Was hilft dem einzelnen Versicherten jedoch der Jahrtausende alte Eranos-Gedanke – mag er auch noch so ehrenwert sein – wenn er – aus welchen Gründen auch immer – sofort Geld benötigt? Statt die Lebensversicherung kündigen zu wollen und damit die Versichertengemeinschaft zu schädigen – und am Ende sich selbst, da der Versicherer sich in der Regel mit hohen Stornogebühren für den Verlust entschädigt, sollte er jemanden suchen, der an seine Stelle tritt. Diese Option bietet der Verkauf auf dem Zweitmarkt: Der Investor kauft die Police – und zahlt für den Versicherten sämtliche Prämien bis zur Endfälligkeit weiter. Der Versicherte erhält damit einen Kaufpreis, der über dem Rückkaufswert liegt. Gleichzeitig sichert er sich einen Rest-Todesfallschutz aufgrund der Fortführung der Police. Im Zweitmarkt ist die alte Eranos-Idee des Netzwerkes verwirklicht.

Von Matthias Wühle

 

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