Erwerbsunfähigkeitsversicherung

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Sicherheit im existenziellen und beruflichen Ernstfall

zuletzt aktualisiert am 27. Dez 2018 @ 11:43 – von:  Manuel Reil

Übersicht: Wichtige Merkmale der Erwerbsunfähigkeitsversicherung

  • Zu unterscheiden von der Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Details wie Anzeigepflicht, Rentendynamik und rückwirkende Leistungen beachten
  • Netto- und Bruttoprämien sind wichtige Entscheidungskriterien
  • Bei Vorerkrankungen anonymisiert vergleichen
  • Gesundheitsprüfung erst vor Vertragsabschluss durchführen
DIN *Empfehlung nach DIN-SPEC: „Finanzielles Grundbedürfnis“ Dient zur Sicherung der Grundbedürfnisse eines Haushaltes. Bedarf richtet sich an staatlicher Grundversorgung.

Was ist eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung?

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung sichert den Versicherungsnehmer ab, wenn dieser aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als 3 Stunden pro Tag in irgendeinem Beruf arbeiten kann. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung greift früher, nämlich dann, wenn ein bestimmter Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Eine solche Versicherung kann sich vor allem deshalb lohnen, weil die Erwerbsminderungsrente von staatlicher Seite her sehr niedrig ist. Triff deshalb hier privat Vorsorge. Sinnvoll ist eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung vor allem für diejenigen, die sich vor dem Verlust der Arbeitskraft absichern wollen, für die eine Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BUV) aber nicht in Frage kommt. Hier wird bereits die Abgrenzung zum Berufsunfähigkeitsschutz deutlich, bei dem eine weichere Regelung greift. Die Unterscheidung zwischen Berufsunfähigkeitsversicherung und Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist schnell erklärt:
  • Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung greift nur in dem Fall, in welchem der Arbeitnehmer bzw. der Versicherungsnehmer nicht mehr als 3 volle Stunden pro Tag in irgendeinem Beruf arbeiten kann.
  • Bei der BUV ist diese Regelung auf die Ausübung von 50% der bisherigen Tätigkeit gesetzt.

Versicherung für Erwerbsunfähigkeit im Vergleich: Worauf Sie achten müssen

Die Beiträge für eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sind im Vergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung deutlich niedriger – auch für gesundheitlich vorbelastete oder ältere Menschen. Allerdings greift eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung tatsächlich erst im Ernstfall, wenn der Versicherte überhaupt keinen Beruf mehr ausüben kann. Es gibt einige wichtige Komponenten, die sich in den Versicherungsschutz aufnehmen lassen oder die zur Beitragssenkung aus dem Vertrag herausgestrichen werden können. Die Angebote der Versicherer variieren hinsichtlich des Umfangs. Ob Sie Raucher sind oder nicht, geht genauso in die Berechnung ein. Wichtiger Faktor ist auch die gewünschte Leistung der Erwerbsunfähigkeit. Sie können wählen zwischen relativen Angaben –  80 Prozent des Nettoeinkommens beispielsweise – oder fixen Zahlungen. Beispiel: 800 Euro pro Monat im Leistungsfall.

TIPP:

Achte darauf, dass persönliche Daten bei einem Vergleich nicht an Dritte weitergegeben werden. So bleibt Ihre Anfrage mit möglichen Vorerkrankungen dem Versicherer gegenüber anonym.

Was ist versichert?

Typische Krankheiten, in denen die Erwerbsunfähigkeitsversicherung einspringt, sind beispielsweise Demenz. Auch der (fast) vollständige Verlust eines oder mehrerer Körpersinne (Sehen, Hören, …) wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Fall, in welchem die Erwerbsunfähigkeitsversicherung greift. Voraussetzung für den Leistungsfall ist die grundlegende Einschränkung der Erwerbsfähigkeit durch Schäden:
  • der höheren Sinne (Gesichts-, Gleichgewichtssinn oder Konzentrationsstörungen)
  • körperlicher Art (Chronische Einschränkung der Extremitäten), Schäden an Skelett oder Muskeln, chronische Krankheiten)

ACHTUNG:

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung deckt nicht grundsätzlich berufsspezifische Einschränkungen ab.

Aktuelle Studien belegen:

Deutschland liegt bei der Einkommensabsicherung im internationalen Vergleich weit hinten. Gerade jungen Leuten mangelt es hier an Problembewusstsein.

Warum brauche ich solch eine Versicherung?

Die Erwerbsunfähigkeitsrente sichert Ihren Lebensstandard ab. Gerade wenn in die gesetzliche Erwerbsminderungsrente noch nicht lange genug eingezahlt wurde, können mit der Erwerbsunfähigkeitsversicherung entscheidende Lücken geschlossen werden. Als Basis Rentenversicherung deckt sie die generelle Erwerbsunfähigkeit ab. Erhebliche Versorgungslücken werden damit geschlossen. Auch deckt sie im Leistungsfall die gestiegenen Kosten zur Bewältigung des Alltags.

Welche Vorteile hat eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung für mich?

Gerade für Berufsgruppen, die nur schwer an Schutz durch Berufsunfähigkeitsversicherungen kommen, ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung von großem Vorteil. Je nach Versicherer können Zusatzbausteine zur Optimierung der monatlich zu zahlenden Beiträge vereinbart werden. Grundsätzlich sind Beiträge zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung sogar steuerlich absetzbar. Steuerfreibeträge laut Gesetz für:
  • Selbständige, Freiberufler – 2.800 Euro p.a.
  • Angestellte, Beamte, Rentner – 1.900 Euro p.a.
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung kann zudem für bis zu drei Jahre beitragsfrei gestellt werden.

Was kostet ein Schutz für den Fall der Erwerbsunfähigkeit?

Eine 40-jährige Bürofachkraft bezahlt für eine Versicherungsleistung von 1.000 Euro monatlich rund 35 Euro. Wer frühzeitig schon unter 30 Jahre mit der Erwerbsunfähigkeitsversicherung beginnt, bekommt für unter zehn Euro Nettobeitrag eine Versicherung. Wichtig: Die Nettoprämie ist der am Anfang zu zahlende Beitrag. Der Versicherer darf diese Prämie im Laufe der Jahre bis auf den Betrag der Bruttoprämie erhöhen – um eventuelle Lücken bei der Kalkulation schließen zu können.

TIPP:

Im Zweifel eher die Versicherung mit dem höheren Nettobeitrag nehmen, wenn der Bruttobeitrag (wesentlich) niedriger ist.

Schritt für Schritt zur idealen Versicherung

Beim Abschluss einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung sollten folgende wichtige Punkte beachtet werden:
  • Steigerung der Rente über die Jahre: Vereinbare mit Ihrem Versicherer möglichst eine Rentensteigerung bzw. einen prozentualen Inflationsausgleich.
  • Anzeigepflicht: Lassen Sie sich von Ihrem Versicherer schriftlich im Vertrag bestätigen, dass Sie nach Vertragsabschluss weder über „gefährliche“ Sportarten, noch einen Berufswechsel oder einen Wechsel im privaten Leben benachrichtigen müssen.
  • Rückwirkende Leistung: Wer finanziell nicht gut abgesichert ist – beispielsweise, wenn jemand noch große laufende Kredite abzahlen muss – der sollte mit seinem Versicherer die Auszahlung rückwirkender Leistungen ausmachen. Meist nämlich zahlt die Erwerbsunfähigkeitsversicherung erst 6 Monate nach dem tatsächlichen Eintritt der Erwerbsunfähigkeit.
  • Befristete Anerkennung der Erwerbsunfähigkeit: Achtung: Manche Versicherer fordern von ihren Klienten im Schadensfall, die Erwerbsunfähigkeit alle paar Jahre erneut bestätigen zu lassen.
  • Keine Erhöhung der Beiträge bei Vertragswandlung: Es gibt Verträge für Studenten und Azubis, bei denen die Beiträge nach dem Eintritt in den Arbeitsalltag nicht erhöht werden. Solche Konzepte zeigen die Vorteile des frühen Versicherungseinstiegs.

Folgende Stolperfallen Sollten Sie vermeiden, wenn Sie eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abschließen:
  • 1. Falle: Antrag mit persönlichen Informationen abgeschickt Wenn Sie sich, beispielsweise auf Grund einer Vorerkrankung, nicht sicher sind, ob ein Versicherer Ihren Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsversicherung akzeptiert, sollten Sie auf jeden Fall einen anonymisierten Probeantrag einreichen, anstatt Ihre persönlichen Informationen preiszugeben. Der Grund ist eine zentrale Datenbank aller Versicherer, kurz das Hinweis- und Informationssystem (HIS). Hier werden Sie auch im Fall einer Ablehnung vermerkt. Sollten Sie es danach bei anderen Versicherern versuchen, sinken durch diesen Eintrag mitunter die Chancen eines erfolgreichen Vertragsabschlusses.

ACHTUNG:

Bei Zweifel über die Annahme Ihres Antrags reiche Sie stets einen anonymisierten Probeantrag ein.

  • 2. Falle: Falsche Aussagen bei Gesundheitsfragen Sie werden im Rahmen der Antragstellung Auskünfte über Ihre gesundheitlichen Zustand erteilen müssen. Es lohnt sich, in solchen Dingen mit offenen Karten zu spielen. Das schließt auch jene Fragen mit ein, die nicht mit Ja oder Nein zu beantworten sind: Hier sollten Sie sehr ausführlich antworten. Der Grund ist klar: Der Versicherer wird im Leistungssfall penibel prüfen, ob er zahlen muss. Wenn festgestellt wird, dass falsche Angaben gemacht wurden, kann der Versicherer sich weigern, eine Rente zu zahlen.
  • Um sicher zu gehen, versetzen Sie sich im Idealfall in die Lage des Versicherers: Fordern Sie Krankenakten und Unterlagen von Ihren Ärzten an. Fertigen Sie Kopien von diesen an.

ACHTUNG:

Rekonstruiere möglichst lückenlos Ihre bisherige medizinische Geschichte – mit Belegen wie Krankenakten, Diagnosen, Scans, und vielem mehr.

Wie kann ich bei der Auswahl Geld sparen?

Was Sie monatlich für die Erwerbsunfähigkeitsversicherung bezahlen müssen, richtet sich nach den individuellen Leistungen. Gute Tarife bieten umfassende Nachversicherungsgarantien, so dass zunächst mit einer niedrigeren Rente begonnen werden kann. Viele Versicherer bieten weltweiten Schutz und dynamische Anpassung der Leistung (Inflationsschutz). Als Nichtraucher sparen Sie circa zehn Prozent.

TIPP:

Die Beiträge sind signifikant niedriger, je früher und gesünder Sie sich versichern lassen.

Häufige Fragen zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sichert Sie gegen das finanzielle Risiko der Erwerbsunfähigkeit ab. Das ist auf jeden Fall sinnvoll, denn immer mehr Beschäftigte müssen aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Und selbst bei voller Erwerbsminderung deckt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nur rund die Hälfte des Nettogehaltes ab (in Abhängigkeit verschiedener Faktoren).
Das Alter des Versicherungsnehmers, Vorerkrankungen, Zugehörigkeit zu einem bestimmten Beruf, Dauer der Versicherungsleistung (bis zu welchem Alter die Rente gezahlt werden soll)
Wenn die versicherte Person nicht in der Lage ist einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen. Genau bedeutet das, dass sie keine sechs Monate am Stück irgendeiner Erwerbstätigkeit für mindestens drei Stunden täglich nachgehen kann. Die Art, die Schwere und das Ausmaß der Krankheit, die zur Erwerbsunfähigkeit führen, müssen ärztlich nachgewiesen werden und allgemein anerkannten medizinischen Erkenntnissen entsprechen.
Ja, das geht. Sie können EGO Basic in der betrieblichen Altersversorgung abschließen. Der Arbeitgeber kann sich darüber hinaus ganz oder teilweise an der Finanzierung Ihrer Erwerbsunfähigkeitsversicherung beteiligen.

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Manuel ReilManuel Reil Als gelernter Versicherungs-Kaufmann bin ich seit über 10 Jahren in der Versicherungswelt tätig. Zu meinen Spezialgebieten zählen die Sachversicherungen sowie alle Themen rund um die Altersvorsorge. Zu Manuel’s Profil »
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