Zweitmarkt aktuell: Lohnt sich der Verkauf der Lebensversicherung?

Policen Direkt Geschäftsführer Simon Nörtersheuser im Gespräch mit Enny Kolletzki zum Thema Garantiezins, Rendite von Zweitmarktpolicen und die Gründe, warum man seine Lebensversicherung verkaufen kann. Außerdem wird der Frage nachgegangen, warum der Versicherungsnehmer nach Verkauf seiner Police immer noch versichert bleiben kann und wie man sich sinnvoll vor schwarzen Schafen schützen kann.

Hier das komplette Interview zum Nachlesen:

ZMA: Es gibt kein Altersvorsorgeprodukt, das bei den Deutschen beliebter ist, als die Lebensversicherung. Wie eine jüngst veröffentlichte FORSA-Umfrage zeigt, entscheiden sich fünfzig Prozent der Befragten für die Lebens- oder Rentenversicherung als Vorsorgeform. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, GDV, benennt die Zahl der laufenden Verträge auf 93,6 Millionen. Das bedeutet, dass bei einer Einwohnerzahl von knapp 82 Millionen jeder Einwohner etwa 1,14 Policen besitzt, Säuglinge und Greise  inbegriffen. Vor mir sitzt Herr Simon Nörtersheuser. Er ist Geschäftsführer von  Deutschlands größtem Policenankäufer Policen Direkt. Herr Nörtersheuser, der Garantiezins für Lebensversicherungen ist im Januar dieses Jahres  gerade auf 1,75% gesenkt worden. Ist das nicht etwas wenig für ein Vorsorgeprodukt?

PDV: Der Garantiezins ist bei einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung ja nur der eine Teil der Auszahlung. Ein weiterer, nicht unerheblicher Teil wird aus den Überschussbeteiligungen erwirtschaftet. Gibt es weniger Garantie, kann es durchaus sein, dass der Anteil an den Überschüssen dafür etwas höher ausfällt. Die Höhe der Überschüsse hängt letztendlich davon ab, wie erfolgreich die Versicherung das Geld am Kapitalmarkt angelegt hat.

ZMA: Welche Rendite kann der Versicherungsnehmer dann insgesamt erwarten?

PDV: In 2012 beträgt die durchschnittliche laufende Verzinsung, die die Versicherungen ihren Kunden ausschütten immerhin rund 4%

ZMA: Das klingt aber auch nicht gerade üppig.

PDV: Wenn Sie das mit anderen Anlageformen wie Tagesgeld oder Staatsanleihen vergleichen, schon. Die Umlaufrendite für festverzinsliche Wertpapiere betrug 2011 beispielsweise nur 2,55%.

ZMA: Wenn die Lebensversicherung nun aber so eine hervorragende Geldanlage ist, warum sollte man dann seine Police an Sie verkaufen?

PDV: Die Gründe für einen Verkauf sind vielfältiger Natur und liegen in erster Linie in der Langfristigkeit der Anlageform begründet. Je länger man die Laufzeit wählt, desto mehr Rendite wird man erwirtschaften. Laufzeiten von 20 bis 30 Jahren sind in diesem Bereich also keine Seltenheit. In 30 Jahren kann natürlich eine Menge passieren: Man nimmt ein Studium auf, heiratet, bekommt Kinder, welche wiederum studieren wollen, macht sich selbständig oder will ein Haus bauen. Für all diese Dinge benötigt man Liquidität. Man  könnte dann einen Kredit zum aktuellen Kreditzins aufnehmen. Oder man investiert einfach das angesparte Geld seiner Lebensversicherung. Das ist eine sinnvolle, weil preisgünstige Alternative zur teuren Kreditfinanzierung.

ZMA: Aber kann man seine Versicherung nicht einfach kündigen?

PDV: Natürlich, aber die Versicherung wird Ihnen lediglich den  dann aktuellen Rückkaufswert auszahlen. Dieser liegt aufgrund von Stornoabzügen meist sehr niedrig.

ZMA: Und Sie zahlen auch den Rückkaufswert aus?

PDV: Sogar mehr. Je nach Police kann das zwei oder drei Prozent über Rückkaufswert sein, in Einzelfällen sogar bis zu 15%.

ZMA: Wie kommen denn diese Unterschiede zustande?

PDV: Unsere Aktuare bewerten jedes Verkaufsangebot nach einer Vielzahl von unterschiedlichen Kriterien wie Restlaufzeit, Tarif und Versicherer. Auch Alter und Geschlecht der versicherten Person fließen in die Bewertung der Police mit ein.

ZMA: Das ist ja wirklich eine hochkomplexe Angelegenheit. Aber lohnt sich denn wirklich der ganze Aufwand –und am Ende kommen nur drei Prozent Vorteil gegenüber Rückkaufswert heraus?

PDV: Bei einem Rückkaufswert von 100.000 Euro wären das immerhin 3000 Euro, die einem durch die Lappen gehen würden. Aber das ist ja noch nicht alles!

ZMA: Gibt es noch mehr Vorteile?

PDV: Aber ja. Bei einer Kündigung würde ja sofort die komplette Versicherungsleistung auf einen Schlag wegfallen. Bei einem Verkauf wird die Police jedoch in der Regel bis zum Ablauftermin weitergeführt. Das bedeutet, dass auch alle Beitragszahlungen vom Investor übernommen werden. Somit bleibt ein Rest-Versicherungsschutz bestehen.

ZMA: Das heißt, der Versicherungsnehmer bleibt versichert, obwohl er seine Versicherung verkauft hat?

PDV: So ist es. Genau das ist ja der entscheidende Unterschied zur Kündigung. Auf diese Weise hat Policen Direkt bereits über 2 Millionen Euro an Hinterbliebene ausgezahlt. Geld, das bei Policenkündigung auf jeden Fall weg gewesen wäre.

ZMA: Von der Verkäuferseite aus betrachtet, also eine nachträgliche Kaufpreiserhöhung?

PDV: Richtig! Policen Direkt hat schließlich kein Interesse, sich bei Todesfällen zu bereichern. Das ist ja auch der entscheidende Unterschied zum amerikanischen Lebensversicherungs-Zweitmarkt. Der ursprüngliche Versicherungsnehmer erhält auf jeden Fall die vertraglich vereinbarte Versicherungsleistung, abzüglich des verzinsten Kaufpreises und abzüglich der verzinsten Beiträge.

ZMA: Interessant, somit bleibt also auch der eigentliche Charakter der Lebensversicherung erhalten. Aber wenn ich meine Versicherung verkaufen will, woher weiß ich, wer mir das beste Kaufangebot machen kann?

PDV: Leider tummeln sich auf dem Zweitmarkt zurzeit einige schwarze Schafe. Wenn man aber ein paar einfache Grundregeln beachtet, ist es eigentlich ganz leicht, den schwarzen Schafen aus dem Weg zu gehen.

ZMA: Und welche sind das?

PDV: Der Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e.V., BVZL, hat auf seiner Internetseite einen Verbraucherleitfaden veröffentlicht. Dort kann er kostenlos von jedermann heruntergeladen werden. Auch hat die Stiftung Warentest bereits über den Zweitmarkt berichtet und in der April-Ausgabe von Finanztest verschiedene Policenankäufer miteinander verglichen.

ZMA: Können Sie die wichtigsten Grundregeln für Policenverkäufer vielleicht in wenigen Sätzen zusammenfassen?

PDV: Natürlich: Der Ankäufer sollte Mitglied im BVZL sein. Ein Kaufangebot sollte auf jeden Fall kostenlos und gebührenfrei erstellt werden. Der ausgezahlte Kaufpreis sollte immer über dem auszahlbaren Rückkaufswert liegen und als Einmalbetrag gezahlt werden. Wichtig ist auch: Seriöse Policenankäufer führen die Police in der Regel fort. Vor Käufern hingegen, die bereits damit werben, dass sie die Police nach Ankauf sofort stornieren, um  entweder den Kaufpreis in Raten zu zahlen oder den erhaltenen Betrag in alternative Werte umzuschichten sollte man Vorsicht gelten lassen. Denn hier wird der Verkäufer in der Regel das das Nachsehen haben.

ZMA: Also Augen auf beim Policenverkauf. Wie schätzen sie eigentlich die zukünftige Entwicklung des Zweitmarktes ein?

PDV: Nach wie vor wird jede zweite Lebensversicherung in Deutschland gekündigt. Es besteht also ein großer Bedarf, das bisher angesparte Kapital schon vor Vertragsende zu nutzen. Und jeder, der seine Police kündigt, anstatt sie zu verkaufen, verschenkt bares Geld. Potential für den Zweitmarkt ist also reichlich vorhanden.

ZMA: Herr Nörtersheuser, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

PDV: Gerne und herzlichen Dank zurück.

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