Was ist der Unterschied vom Run-off der Generali Leben zum Run-off der Axa und der Ergo?

Was ist der Unterschied vom Run-off der Generali Leben zum Run-off der Axa und der Ergo?

Medial schlagen die Wogen hoch, wenn es um das Thema Run-off geht. Viele Kunden sind verunsichert und wollen wissen, was Ihre Lebensversicherung noch wert ist. Was jetzt zu beachten ist und wo die Unterschiede bei den aktuellen Fällen um Generali, Ergo und Axa liegen, zeigt der Policen Direkt-Check.

Die BaFin hat im April 2019 die Genehmigung für den externen erteilt. Zuvor hatte der Generali-Konzern angekündigt, seine deutsche Lebensversicherungsgesellschaft mit rund 4 Millionen Verträgen verkaufen zu wollen. Käufer ist Viridium. Dazu kommt die Axa, die knapp 250.000 Lebensversicherungsverträge extern abwickeln lassen will. Die Ergo Leben hat derartige Pläne verworfen, will aber rund 6 Millionen Verträge in einem internen Run-off verwalten.

Was bedeutet Run-off in der Lebensversicherung?

Ein Lebensversicherer muss seine langfristigen Verpflichtungen erfüllen, auch wenn er keine neuen Verträge mehr verkauft. Daneben erzielt er für die Kapitalanlagen angesichts der niedrigen Marktzinsen immer weniger. Kann der Versicherer diesen Druck nicht anderweitig lösen, wickelt er seinen Bestand komplett oder teilweise ab. Das nennt man Run-off.

Bei der internen Abwicklung wird das Neugeschäft für diese Produktgruppe eingestellt. Die Kunden behalten aber ihren bisherigen Vertragspartner. Bei einem externen Run-off wird der Bestand an einen Investor verkauft: Entweder verkauft die bisherige Versicherungsgruppe das gesamte Unternehmen oder der Bestand wird komplett auf einen anderen Versicherer übertragen. Umstritten ist nur der externe Run-off.

Die zentrale Frage lautet: Was bedeutet das für meine private Altersvorsorge, wenn ein neues Unternehmen meinen alten Vertrag übernimmt?

Achtung:

Policen Direkt als größter institutioneller Versicherungsnehmer in der Lebensversicherung (rund 12.000 Verträge, knapp 1 Mrd. Euro verwaltetes Volumen) sieht das Thema rational und unabhängig von Versicherernamen. „Wir setzen auf die gesetzlichen Vorschriften und die Regulierung der BaFin und weniger auf die Gesellschaften, egal ob ursprünglicher Versicherer oder Run-off Plattform“, erklärt Policen Direkt-Geschäftsführer Max Ahlers.

Was unterscheidet den Run-off der Axa-Verträge vom Run-off der deutschen Generali Leben und den Plänen der Ergo?

Dass auch externer Run-off nicht gleich externer Run-off ist, zeigt die Gegenüberstellung der aktuellen Meldungen von Generali und Axa. Die Ergo Leben hat schon länger angekündigt, auf die externe Abwicklung verzichten zu wollen, um dafür sämtliche Verträge auf einer eigenen internen Plattform abzuwickeln.

Der Generali-Konzern verkauft mit der Generali Leben Deutschland ein Unternehmen, nicht bloß einzelne Verträge. Gut 80 Prozent übernimmt die Viridium-Gruppe, die in Deutschland bereits die Verträge der Heidelberger Leben, der Skandia und der Mannheimer Leben verwaltet. Die Viridium ist eine deutsche Tochtergesellschaft der internationalen Cinven-Gruppe, hat aber mit dem aktuellen Fall der Axa nichts zu tun. Dieser Axa Run-off bezieht sich auf Verträge der irischen Tochter Axa Life Europe. Insgesamt geht es um knapp 250.000 Verträge. Deutsche Vorsorgesparer sind betroffen. Denn knapp 70 Prozent des verwalteten Anlagevolumens von 5,3 Milliarden Euro kommt laut eigenen Angaben aus Verträgen, die bis 2012 in Deutschland unter dem Namen „Twinstar“ verkauft wurden.

Achtung:

Für diese Verträge ist nicht die deutsche Versicherungsaufsicht BaFin zuständig, sondern aktuell die irische. In Irland hat die Central Bank of Ireland diese regulatorische Funktion.  Für den neuen Besitzer Cinven wird die britische Aufsicht zuständig sein.

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Sowohl die Axa „Twinstar“-Verträge, als auch die klassischen Verträge der Generali Leben haben Garantiezinsen – allerdings von unterschiedlicher Qualität. Während bei der Axa jährliche Verzinsungen der Sparbeiträge vertraglich zugesichert sind, handelt es sich bei den Generali-Garantien um gesetzliche Verpflichtungen für den Versicherer. Das lässt keinerlei Raum für Interpretationen.

Bei einer Insolvenz des Versicherers gibt es in Deutschland als Rettungsanker den Sicherungsfonds, der im Fall der Fälle die Policen übernimmt und verwaltet. Hier ist nur in Extremfällen mit Leistungskürzungen von bis zu 5 Prozent zu rechnen. Da Run-off Gesellschaften den aufsichtsrechtlichen Status eines Versicherers haben – mit sämtlichen Rechten und Pflichten – , bekommen auch Verträge im externen Run-off diesen Schutz. In Großbritannien gibt es mit dem Financial Services Compensations Scheme (FSCS) eine vergleichbare Einrichtung. Dieser Sicherungsfonds tritt im Fall einer Insolvenz für bis zu 100 Prozent der Forderungen ein.

Das Insolvenzgericht kann dort Leistungskürzungen vornehmen, damit ein möglicher weiterer Käufer in einem weiteren Run-off die Verträge übernehmen kann. Die Versicherungsaufsicht Prudential Regulation Authority (PRA) ist in das Insolvenzverfahren involviert und kann Empfehlungen geben. Das Insolvenzgericht kann aber sogar die Auflösung des Versicherers bestimmen.

Achtung:

Für Twinstar-Kunden bedeutet das eine Verbesserung. Denn in Irland gibt es keinen gesetzlichen Sicherungsfonds. Inwieweit ein Brexit hier aber Auswirkungen haben könnte, muss sich zeigen.

Lesen Sie auch, was Kunden bei einem Run-off sonst noch wissen müsssen.

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