Standmitteilungen in der Lebensversicherung 2020

Studie von Policen Direkt: Nach wie vor große Qualitätsunterschiede

  • 66 von 76 Lebensversicherern erfüllen die  geltenden gesetzlichen Mindestanforderungen vollständig

  • 34 Gesellschaften erfüllen dazu die BaFin-Anforderungen zu den Bewertungsreserven

  • 9 Lebensversicherer teilen Ihren Kunden diese Pflichtangaben und sämtliche notwendigen Angaben mit

Vorsorgesparer mit älteren Verträgen profitieren weniger von Überarbeitung

Nur mit vollständigen, korrekten, verständlichen und individuell auf die jeweilige Lebensversicherung ausgearbeiteten Standmitteilungen kann sich ein Versicherter ein vollständiges Bild über den Zustand seiner privaten Altersvorsorge machen. Die große Policen Direkt-Transparenzstudie zu den Standmitteilungen zeigt, dass sämtliche Versicherer Ihre Standmitteilungen mittlerweile überarbeitet haben. Allerdings reicht das für viele Verbraucher noch nicht für die umfassende Bewertung des (Zu-)Stands ihrer privaten Altersvorsorge.

Warum sind Standmitteilungen in der Lebensversicherung wichtig?

Wer rechtzeitig und zusätzlich fürs Alter vorsorgt, will wissen, ob das Geld für die Zukunft auch gut und sicher angelegt ist. Die zentrale Frage der Vorsorgesparer: Reicht die private Lebensversicherung, die Rentenlücke zu schließen? Wer eine kapitalbildende Lebensversicherung abgeschlossen hat, will verstehen, welche Leistungen sein Vertrag hat. Kunden haben einen Anspruch darauf, regelmäßig über den Stand ihres Vertrags informiert zu werden. Erst seit 1994 sind Lebensversicherer überhaupt erst verpflichtet, Ihre Kunden regelmäßig zu informieren. Einzige Pflichtangabe bis dato: die erreichten garantierten Überschüsse. Weitere Informationen waren freiwillig. Standmitteilungen haben deswegen in vielen Fällen ihren Zweck nicht erfüllt. Wer wissen wollte, was seine Lebensversicherung wert ist, musste mitunter beim Versicherer nachfragen und einen Taschenrechner zur Hilfe nehmen. Diesem Wildwuchs sollte die Änderung des §155 VVG ein Ende setzen.

Achtung:

Seit Juli 2018 gelten für Lebensversicherer wesentlich strengere Veröffentlichungspflichten.

Policen Direkt als größter institutioneller Versicherungsnehmer interessiert der Stand der Umsetzung und hat deswegen die Standmitteilungen der deutschen Lebensversicherer untersucht. Im Folgenden finden Sie die Ergebnisse der laufend aktualisierten großen Transparenz-Studie zu den Standmitteilungen in der Übersicht.

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Policen Direkt Chefaktuar Henning Kühl: “Alle Gesellschaften haben ihre Standmitteilung überarbeitet. Gerade aber Kunden mit älteren Verträgen profitieren oft deutlich weniger von der Überarbeitung oder warten in Einzelfällen sogar noch auf die Umsetzung. Nur mit vollständigen und verständlichen Informationen können Vorsorgesparer die Entwicklung der Verträge transparent nachvollziehen und damit auch fundierte Entscheidungen treffen.“

Analyse der Standmitteilungen der Lebensversicherer 2020

Lesen Sie im Folgenden, welche Versicherer die gesetzliche Informationspflicht besonders transparent erfüllen und ihren Kunden darüber hinaus wichtige Informationen mitteilen.

Gesellschaft Marktanteil Mindestanforderungen Wichtige Infos Bonus Gesamt Verständlichkeit
AachenMünchener Lebensversicherung AG 5,79% 50,0/55,0 22,5/30,0 18 90,00
Allianz Lebensversicherungs-AG 23,35% 47,5/55,0 27,5/30,0 10 85,00
Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. 2,82% 55,0/55,0 30,0/30,0 10 95,00
Athora Lebensversicherung AG (ehem. Athene) 0,22% 52,5/55,0 27,5/30,0 3 82,50
Axa (ehemals DBV) 0,00% 55,0/55,0 25,0/30,0 5 85,00
AXA Lebensversicherungs AG 3,10% 52,5/55,0 30,0/30,0 3 85,00
Barmenia Lebensversicherung a.G. 0,28% 47,5/55,0 25,0/30,0 8 80,00
Basler Lebensversicherungs-AG 0,61% 45,0/55,0 12,5/30,0 13 70,00
Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G. 0,18% 50,0/55,0 27,5/30,0 8 85,00
Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG 3,16% 50,0/55,0 22,5/30,0 5 77,50
Concordia oeco Lebensversicherungs-AG 0,21% 55,0/55,0 25,0/30,0 25 105,00
Condor-Lebensversicherungs-AG 0,34% 37,5/55,0 12,5/30,0 10 60,00
Continentale Lebensversicherung AG 0,89% 37,5/55,0 22,5/30,0 10 70,00
Cosmos Lebensversicherungs-AG 1,97% 55,0/55,0 25,0/30,0 20 100,00
Credit Life AG 0,16% 55,0/55,0 22,5/30,0 5 82,50
Debeka Lebensversicherungsverein a.G. 4,03% 50,0/55,0 30,0/30,0 13 92,50
Delta Direkt Lebensversicherung AG München 0,00% 55,0/55,0 27,5/30,0 5 87,50
Deutsche Ärzteversicherung AG 0,67% 52,5/55,0 30,0/30,0 3 85,00
DEVK Allgemeine Lebensversicherungs-AG 0,57% 55,0/55,0 25,0/30,0 11 91,25
DEVK Deutsche Eisenbahn Versicherung Lebensversicherungsverein a.G. 0,38% 55,0/55,0 25,0/30,0 11 91,25
Dialog Lebensversicherungs-AG 0,34% 30,0/55,0 5,0/30,0 5 40,00
Entis Lebensversicherung AG 0,09% 55,0/55,0 12,5/30,0 0 67,50
Ergo Lebensversicherung AG 2,85% 52,5/55,0 27,5/30,0 10 90,00
Ergo Vorsorge Lebensversicherung AG 0,47% 52,5/55,0 22,5/30,0 10 85,00
Europa Lebensversicherung AG 0,42% 37,5/55,0 22,5/30,0 10 70,00
Frankfurt Münchener Lebensversicherung AG 0,22% 55,0/55,0 20,0/30,0 5 80,00
Frankfurter Lebensversicherung AG 0,09% 47,5/55,0 20,0/30,0 5 72,50
Gothaer Lebensversicherung AG 1,33% 45,0/55,0 15,0/30,0 10 70,00
Hannoversche Lebensversicherung AG 1,13% 50,0/55,0 22,5/30,0 8 80,00
HanseMerkur Lebensversicherung AG 0,26% 46,3/55,0 22,5/30,0 13 81,25
HDI Lebensversicherung AG 2,13% 55,0/55,0 20,0/30,0 3 77,50
Heidelberger Lebensversicherung AG 0,76% 55,0/55,0 12,5/30,0 0 67,50
Helvetia schweizerische Lebensversicherungs-AG 0,28% 47,5/55,0 25,0/30,0 1 73,75
HUK-Coburg-Lebensversicherung AG 0,75% 52,5/55,0 20,0/30,0 10 82,50
Ideal Lebensversicherung a.G. 0,30% 40,0/55,0 15,0/30,0 13 67,50
Inter Lebensversicherung AG 0,10% 52,5/55,0 27,5/30,0 1 81,25
InterRisk Lebensversicherungs-AG 0,10% 55,0/55,0 22,5/30,0 5 82,50
Itzehoer Lebensversicherung AG 0,06% 47,5/55,0 27,5/30,0 4 78,75
Landeslebenshilfe V.V.a.G. 0,01% 55,0/55,0 12,5/30,0 0 67,50
Lebensversicherung von 1871 a.G. München 0,72% 55,0/55,0 27,5/30,0 5 87,50
LVM Lebensversicherungs-AG 0,95% 32,5/55,0 20,0/30,0 5 57,50
Mecklenburgische Lebensversicherungs-AG 0,14% 52,5/55,0 27,5/30,0 15 95,00
Münchener Verein Lebensversicherung a.G. 0,17% 10,0/55,0 12,5/30,0 0 22,50
Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung AG 0,19% 50,0/55,0 27,5/30,0 8 85,00
neue Leben Lebensversicherung AG 0,90% 55,0/55,0 22,5/30,0 10 87,50
Nürnberger Beamten Lebensversicherung AG 0,05% 52,5/55,0 25,0/30,0 10 87,50
Nürnberger Lebensversicherungs AG 2,64% 52,5/55,0 25,0/30,0 10 87,50
Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg 0,19% 50,0/55,0 22,5/30,0 5 77,50
Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig 0,17% 45,0/55,0 25,0/30,0 10 80,00
Öffentliche Lebensversicherung Sachsen-Anhalt 0,17% 52,5/55,0 25,0/30,0 20 97,50
PB Leben (ehemalige BHW) 0,00% 55,0/55,0 22,5/30,0 5 82,50
PB Lebensversicherung AG 0,81% 50,0/55,0 17,5/30,0 0 67,50
Provinzial Lebensversicherung Hannover 0,77% 55,0/55,0 25,0/30,0 20 100,00
Provinzial NordWest Lebensversicherung AG 1,66% 55,0/55,0 27,5/30,0 10 92,50
Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG 1,25% 47,5/55,0 21,3/30,0 3 71,25
Proxalto Lebensversicherung AG 3,39% 55,0/55,0 25,0/30,0 15 95,00
R+V Lebensversicherung a. G. 0,20% 37,5/55,0 15,0/30,0 10 62,50
R+V Lebensversicherung AG 5,77% 37,5/55,0 15,0/30,0 10 62,50
RheinLand Lebensversicherung AG 0,06% 55,0/55,0 23,8/30,0 15 93,75
Signal Iduna Lebensversicherung a.G. 1,41% 53,8/55,0 30,0/30,0 0 83,75
Sparkassen-Versicherung Sachsen Lebensversicherungs AG 0,72% 50,0/55,0 25,0/30,0 6 81,25
Stuttgarter Lebensversicherungs a.G. 0,70% 55,0/55,0 15,0/30,0 11 81,25
Süddeutsche Lebensversicherung a.G. 0,05% 55,0/55,0 25,0/30,0 5 85,00
SV SparkassenVersicherung Lebensversicherung AG 2,00% 52,5/55,0 26,3/30,0 10 88,75
Swiss Life AG, Niederlassung für Deutschland 1,30% 42,5/55,0 15,0/30,0 10 67,50
Targo Lebensversicherung AG 1,33% 52,5/55,0 22,5/30,0 10 85,00
uniVersa Lebensversicherung a.G. 0,13% 55,0/55,0 28,8/30,0 10 93,75
Vereinigte Postversicherung Lebensversicherung AG 0,45% 55,0/55,0 17,5/30,0 4 76,25
Versicherer im Raum der Kirchen Lebensversicherung AG 0,20% 47,5/55,0 27,5/30,0 15 90,00
VICTORIA Lebensversicherung AG 0,80% 55,0/55,0 30,0/30,0 15 100,00
Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. 1,69% 50,0/55,0 23,8/30,0 10 83,75
WGV-Schwäbische Lebensversicherung AG 0,05% 45,0/55,0 20,0/30,0 10 75,00
Württembergische Lebensversicherung AG 2,05% 47,5/55,0 22,5/30,0 0 70,00
WWK Lebensversicherung a.G. 1,22% 55,0/55,0 22,5/30,0 8 85,00
Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG 3,75% 55,0/55,0 17,5/30,0 3 75,00
Info:

Die Details zu den einzelnen Versicherungsgesellschaften finden Sie durch Klick auf den Unternehmensnamen. Einheitliche Begriffe sind gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Die Ergebnisse der Transparenzstudie im Überblick

  • 66 Lebensversicherer erfüllen die seit 1. Juli 2018 geltenden gesetzlichen Mindestanforderungen vollständig. (Stand 09.03.2020)

    Generell ist festzustellen, dass sich die Darstellung des Rückkaufswertes und der Bewertungsreserven deutlich verbessert hat. Negativ fällt auf, dass Gesellschaften vor allem bei älteren Policen darauf verzichten, unsichere Überschüsse aufgeschlüsselt mitzuteilen. Gerade aber bei diesen Verträgen machen derartige Bonuszahlungen entgegen landläufiger Meinung immer noch oft einen beträchtlichen Teil der Werte aus.

     

  • 34 Lebensversicherer erfüllen dazu sämtliche Anforderungen zu den Bewertungsreserven.

    Policen Direkt hat untersucht, ob die Lebensversicherer die Vorgaben der BaFin zu den Bewertungsreserven Werte vollständig, stichtagsgenau und verständlich umgesetzt haben.

  • 9 teilen ihren Kunden sämtliche Pflichtangaben und alle darüber hinaus notwendigen Angaben mit.

    Gesellschaften, die die Mindestanforderungen erfüllen und sämtliche wichtigen Infos mitteilen, erhalten insgesamt 85 Punkte.

Dass weitere Gesellschaften die Punktzahl erreichen, liegt daran, dass auch Punkte für Bonus-Angaben vergeben werden. Das betrifft beispielsweise die im Vertrag enthaltenen laufenden Kosten, die nun immer mehr Versicherer in unterschiedlicher Ausprägung mitteilen. Auch Angaben zur aktuellen Höhe der Überschussbeteiligung werden gelegentlich veröffentlicht. Bei einzelnen Unternehmen kann man auch Angaben zu Ablaufleistungen zu verschiedenen Abrufterminen oder zu künftigen Teilauszahlungen finden. Allgemein gilt, je neuer der Vertrag, desto mehr Bonus-Informationen gibt es. Wie viel hier Gesellschaften mitteilen, hängt zudem auch von der grundsätzlichen Informationspolitik ab.

Insgesamt kommen so 34 Gesellschaften auf mindestens 85 Punkte.

Info:

9 Versicherer teilen ihren Kunden die Pflichtangaben und sämtliche zusätzlichen wichtigen Informationen mit.

Seit der Überarbeitung der Standmitteilungen profitieren die Versicherten von besseren, verständlicheren und umfangreicheren Informationsschreiben. Standmitteilungen erfüllen dann ihren Zweck aber nicht, wenn einzelne Versicherer die Neuregelung des §155 VVG nicht im Sinne der Kunden auslegen. Darüber hinaus gibt es Gesellschaften, die ihrer gesetzlichen Veröffentlichungspflicht zwar nachkommen, aber von weiteren sinnvollen Angaben für die Bewertung absehen.

„Die neuen Vorschriften haben nicht zu einem einheitlichen Standard geführt, weil die Angabe weiterer wichtiger Informationen und deren Darstellung weiter im Ermessen der Versicherer liegen“, erklärt Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt und Versicherungsmathematiker (DAV) die großen Qualitätsunterschiede. „Genau wie es Versicherer gibt, die die neue Verordnung für eine Qualitätsoffensive genutzt haben, gibt es auch Versicherer, die nur die Informationen mitteilen, zu denen sie nach eigener Auffassung verpflichtet sind.“

Erstmals im Blick: Mängel bei weiteren Transparenzpflichten

​Erstmals hat Policen Direkt auch untersucht, ob Lebensversicherer ihre Kunden mit den jährlich verschickten Dokumenten gesetzeskonform darüber informieren, wie sie an den Überschüssen beteiligt werden.

Laut Mindestzuführungsverordnung (MindZV) §15 sind die Versicherungsnehmer auf diese Veröffentlichung der Ertragsquellen unter Angabe der Fundstelle hinzuweisen.

64 von 76 Gesellschaften kommen dieser Pflicht tadellos nach. Bei 14 Versicherern sind Mängel festzustellen. In einigen Fällen wird der Hinweis auf der Standmitteilung nicht korrigiert, wenn beispielsweise die Website überarbeitet wird. Policen Direkt untersucht deren Ausgestaltung im Rahmen der Studie zu den Ertragsquellen gesondert.

Policen Direkt Chefaktuar Henning Kühl: “Hier entsteht der Eindruck, dass einzelne Versicherer diese Pflicht mehr als unverbindliche Empfehlung sehen. Möglicherweise geschieht dies in der Annahme, dass Verbraucher diese Informationen ohnehin nicht abrufen.“

Welche Informationen muss der Versicherer mitteilen?

Die Neuregelung des §155 VVG, die seit 1. Juli 2018 gilt, ist ein Riesenfortschritt für alle Versicherungsnehmer, die auf Produkte der kapitalbildenden Lebensversicherung setzen. Jetzt müssen Versicherer über die folgenden Punkte informieren:

  • Todesfall-Leistung,

  • garantierte Ablaufleistung,

  • garantierte Ablaufleistung bei Beitragsfreistellung

  • und aktueller Auszahlungsbetrag des Vertrages.

  • Für Neuabschlüsse sind zudem die eingezahlten Beiträge aufzuschlüsseln.

Weitere Pflichtangaben zu den Bewertungsreserven waren zwar nicht Teil der Gesetzgebung. Offenbar scheint hier aber die Versicherungsaufsicht BaFin einer Auslegungsentscheidung von 2016 Nachdruck verliehen zu haben. Sehr viele Versicherer, die hier bisher keine Angaben gemacht haben, teilen ihren Kunden jetzt die gesamte aktuelle Höhe der Beteiligung an den Bewertungsreserven mit, nicht länger etwa nur die Mindestbeteiligung. Die Informationspflichten der Lebensversicherer während der Vertragslaufzeit hatten sich vor der Neuregelung auf die Angabe der bisher erreichten Überschüsse beschränkt. Seit 1994 mussten die Lebensversicherungsgesellschaften überhaupt erst eine „jährliche Mitteilung über den Stand der Überschussbeteiligungen in der Lebensversicherung“ machen (§10a, Abs. 1 VAG). 

Info:

Vor der gesetzlichen Neuregelung ließen einige Versicherer ihre Kunden darüber im Dunkeln, was Ihnen bei vorzeitiger Kündigung zusteht. Dies gilt insbesondere für Rentenversicherungen, wo Kunden auch nur auf die Beitragsrückgewähr verwiesen wurde anstatt ihnen eine Todesfallleistung zu nennen. Kaum einer setzte seine Kunden über die beitragsfreie Ablaufleistung in Kenntnis. Keiner hat von sich aus die in den Vertrag eingezahlten Beiträge genannt.

Policen Direkt Chefaktuar Henning Kühl: “Die gesetzlichen Anforderungen sind dringend und wichtig, reichen aber noch nicht aus. Um die Qualität und die Entwicklung der Altersvorsorge beurteilen zu können, braucht es zusätzliche Angaben.“

Warum hat Policen Direkt die Standmitteilungen eingehend untersucht?

Die Neufassung des §155 VVG ist ein klarer Fortschritt zur Transparenzverbesserung. Details der Darstellung sind aber auch künftig nicht näher geregelt. So muss der Versicherer keine Auskunft darüber geben, wie sich einzelne Werte zusammensetzen.

„Es stärkt das Vertrauen in die Lebensversicherung, wenn die Kunden in ihrer Standmitteilung erkennen können, warum und in welcher Weise genau die Vertragswerte sich gegenüber dem Vorjahr verändert haben“, erklärt Policen Direkt-Chefaktuar Henning Kühl, der die Standmitteilungen deswegen laufend eingehend untersucht hat.

Zahlreiche Faktoren über die gesetzlichen Mindestangaben hinaus hält er unerlässlich dafür, dass die jährlichen Informationen nicht nur vollständig und korrekt, sondern auch nachvollziehbar und verständlich sind. Das versetzt den Verbraucher auch in die Lage, fundierte Entscheidungen zu ihrer Lebensversicherung – etwa über das Behalten oder das Verkaufen der Police – zu treffen. Ob und wie unsichere Bestandteile dargestellt werden müssen, ist dabei nur ein wichtiger nicht näher durch das neue Gesetz geregelter Punkt. Aufgrund der Vielfalt der Lebensversicherungsprodukte würde sich auch einheitliche Darstellung der unsicheren Überschüsse schwierig gestalten. Auch auf die Darstellung von möglicherweise wichtigen Zusatzversicherungen geht das Gesetz ebenfalls nicht ein.

Info:

Anhand eines umfangreichen Anforderungskataloges hat Policen Direkt deshalb analysiert, inwieweit die Standmitteilungen der deutschen Lebensversicherer vollständig und verständlich sind. Der Schwerpunkt der Studie liegt auf klassischen Lebensversicherungen.

Nur so können Versicherer Missverständnissen, Fehlinterpretationen und nicht zuletzt auch negativer Berichterstattung vorbeugen. Hintergrund: Seit nunmehr 15 Jahren untersucht Policen Direkt, mittlerweile als Marktführer im Zweitmarkt für Lebensversicherungen, Standmitteilungen der Lebensversicherungen. Weit mehr als 300.000 Policen wurden geprüft, weit über 30.000 Verträge jahrelang im Bestand verwaltet. Die Expertise als größter institutioneller Versicherungsnehmer liegt damit auf der Hand: 

  • Policen Direkt verwaltet einen Bestand von derzeit 12.000 Lebensversicherungen aller Gesellschaften und deren gängigste Tarifvarianten. Der Marktüberblick zu den Standmitteilungen der Lebensversicherer ist damit umfassend.

  • Ein Vergleich über mehrere Jahre ist möglich.

  • Wenn Versicherer ihre Mitteilungen überarbeiten, bekommt Policen Direkt das als Kunde unmittelbar mit. Es liegt so in der Regel die aktuelle Version des Infobriefes vor.

Erläuterungen zur Studie: Wie hat Policen Direkt getestet?

Die große Transparenzanalyse zur Standmitteilung umfasst vier Bereiche:

1.) Im ersten Bereich geht es um die gesetzlichen Mindestanforderungen an die jährliche Information der Versicherer laut §155VVG. An dieser Stelle bewertet Policen Direkt auch, inwieweit die Vorgaben der BaFin zu den Bewertungsreserven erfüllt sind.

Zur Bewertung:

Für jede gesetzliche Pflichtangabe gibt es 10 Punkte und für die Bewertungsreserven sind 15 Punkte möglich, so dass maximal 55 Punkte möglich sind.

2.) Der zweite Bereich geht ein auf wichtige optionale Angaben in den Infobriefen. Policen Direkt-Chefaktuar Henning Kühl hält diese für notwendig, damit sich Versicherte ein aussagekräftiges Bild ihrer Altersvorsorge machen können. Diese Auslegung und Expertise war bereits eingegangen in die Entwicklung von Lectus, der Muster-Standmitteilung des Bundesverbandes Vermögensanlagen im Zweitmarkt für Lebensversicherungen (BVZL) und deckt sich in vielen Punkten mit den Vorstellungen des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV). Der hatte im Frühjahr 2016 einen Vorschlag gemacht, wie eine ordentliche Standmitteilung aussehen könnte. Diese sogar sprachwissenschaftlich geprüfte Empfehlung wurde bis dato von den Versicherern weitgehend als unverbindlicher Vorschlag behandelt.

 

Zur Bewertung:

Die sechs weiteren wichtigen Angaben (Details siehe Einzelwertungen) werden mit jeweils 5 Punkten belohnt, so dass hier insgesamt 30 Punkte zu vergeben sind.

3.) Im dritten Bereich untersucht Policen Direkt, inwieweit ein Versicherer weitere sinnvolle optionale Angaben macht. Hier geht es beispielsweise um den Wert von Zusatzversicherungen zum Stichtag, laufende Vertragskosten oder Angaben zur Steuer, die beim jeweiligen Leistungsfall zu zahlen ist. Diese Bonus-Angaben gehen mitunter weit über den allgemeinen Standard hinaus, sind aber sinnvolle Ergänzungen einer guten Standmitteilung. Es wurden nur Angaben aufgeführt, zu denen es auch Versicherer gibt, die sie ihren Kunden mitteilen.

Zur Bewertung:

Für jede Bonus-Angabe gibt es 5 Punkte.

4.) Der vierte Bereich der Transparenzanalyse widmet sich der Verständlichkeit der Standmitteilung. Hier geht es um Umfang, Textqualität, um verständliche Vertragswerte und darum, ob der Versicherer einzelne Begriffe gesondert erklärt. Versicherer, die hier negativ auffallen, erhalten nicht den vollen Wert.

Zur Bewertung:

Aus diesen vier Punkten ergibt sich eine positive, neutrale oder negative Bewertung dieser Abteilung. Der vierte Bereich geht nicht in die Punktewertung der Transparenzanalyse ein.

Weitere mögliche Untersuchungsparameter wie

  • Information über Anlagekriterien,

  • Aufschlüsselung der Beitragsbestandteile

  • Unterschiedliche Szenarien für den Ablauf des Vertrages oder

  • die Todesfallleistung bei Beitragsfreistellung

sind nicht in die Studie mit eingegangen. Das gilt ebenso für die gesetzliche Hinweispflicht darauf, wenn sich die Ablaufprognose ändert. Dass 6 Lebensversicherer ihre Kunden darauf hinweisen, dass es Alternativen zur Kündigung gibt, geht aktuell ebenfalls noch nicht in die Wertung ein.

Gesetzliche Mindestanforderungen

  • Todesfallleistung

  • Auszahlungswert

  • Garantierte Ablaufleistung bei beitragspflichtiger Fortführung

  • Garantierte Ablaufleistung bei Beitragsfreistellung

  • Beteiligung an den Bewertungsreserven

  • a) Explizite Angabe der Höhe

  • b) Vollständige Höhe zum Stichtag

  • c) Wert muss nicht gesucht oder berechnet werden (Verständlichkeit)

Wichtige optionale Angaben

  • Vollständige Rückkaufswertangaben mit allen Einzelwerten

  • Vollständige Angabe der Todesfallleistung

  • Angabe der noch unsicheren Werte in der Ablaufleistung

  • Angaben über vorhandene Zusatzversicherungen und die Auszahlungshöhe im entsprechenden Leistungsfall

  • Mögliche Höhe der Anwartschaft bei Renten mit begrenztem Rückkaufswert

  • Prognostizierte Ablaufleistung bei beitragspflichtiger Fortführung

Optionale Angaben (Bonus)

  • Allgemeine Vertragsdaten

  • Akutelle Überschussbeteiligung

  • Kosten des Vertrages im laufenden Jahr

  • Weitere Ablaufwerte

  • Angabe zur Höhe der künftigen Teilauszahlungen

  • Prognostizierte beitragsfreie Ablaufleistung

  • Höhe der voraussichtlichen Steuer im Leistungsfall

  • Summer der bisher eingezahlten Beiträge

  • Rückkaufswert der Zusatzversicherungen

Verständlichkeit

  • Umfang

  • Text

  • Vertragswert

  • Glossar

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