Ertragsquellen der deutschen Lebensversicherer

Studie von Policen Direkt informiert

  • Alle deutschen Lebensversicherer im Vergleich

  • Online-Check mit Daten bis zur Erstveröffentlichung 2014

  • 30 Lebensversicher erwirtschaften derzeit Garantieverpflichtungen mit Erträgen aus Risiko und Verwaltung

Für Bestandskunden bringen die verpflichtenden Angaben der Versicherer zu den Ertragsquellen der Gewinnbeteiligung mehr Transparenz. Deutliche Hinweise darauf, wie es Ihrem Lebensversicherer geht, finden Sie in der Finanzstärke. Policen Direkt hat die Übersicht für Sie erstellt. Aktuell zeigt die Reform der Zinszusatzreserve erkennbare Wirkung. 

Ohne eine Änderung der Berechnungsmethode hätte der zusätzliche Kundennutzen durch die weiteren Reservierungen in keinem Verhältnis mehr zur zusätzlichen Belastung für die Versicherer gestanden. “Durch den nun langsameren Aufbau der Reserve haben die Lebensversicherer jetzt Luft, Strategien zur Verbesserung ihrer Zukunftsfähigkeit weiterzuentwickeln.“ erklärt Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt und Versicherungsmathematiker (DAV).

Dabei stellt er klar: „Die Zinszusatzreserve zur Absicherung der Garantien ist nützlich und sinnvoll. Für viele Versicherer wäre sie aber in der alten Form existenzbedrohend geworden.“

Die Policen Direkt-Analyse zeigt: 30 Lebensversicherer erwirtschaften nicht mehr ausreichend Erträge mit ihren Kapitalanlagen. Nichtsdestoweniger sind die Garantien insgesamt aktuell sicher, da die Unternehmen andere Ertragsquellen verrechnen dürfen. Nur ein Versicherer schafft es auch mit dieser Querfinanzierung nicht und zehrt damit von der Substanz.

In jedem Fall lohnt sich der differenzierte Blick auf die Ertragslage der einzelnen Lebensversicherer im zeitlichen Verlauf. Die deutschen Unternehmen müssen nämlich darüber informieren, in welcher Höhe Sie Ihre Kunden an den Gewinnen beteiligen. Das geht aus den Pflichtangaben zur Mindestzuführungsverordnung MindZV §15 hervor, die jedes Unternehmen veröffentlichen muss. Policen Direkt stellt diese Daten der interessierten Öffentlichkeit in einer Übersicht zur Verfügung und liefert auf dieser Basis eine Analyse für alle Lebensversicherer. Auch die sogenannten Run-off Plattformen müssen diese Informationen ebenfalls bereitstellen. Weitere vom Gesetzgeber vorgeschriebene Pflichtinformationen finden sich darüber hinaus in den jährlichen Standmitteilungen und in den Solvenzberichten. Bestandskunden wollen sich angesichts zunehmender Debatten um die Lebensversicherung selbst ein Bild über den Zustand Ihrer Altersvorsorge machen und einen Eindruck gewinnen, wie ihr Lebensversicherer wirtschaftet. Dazu gehört auch Policen Direkt als größter institutioneller Versicherungsnehmer.

Wie finde ich heraus, wie es meinem Lebensversicherer geht?

Die Finanzstärke als Kennzahl gibt einen Anhaltspunkt über die aktuelle Situation einer Lebensversicherungsgesellschaft. Sie stellt die aktuellen Erträge der Kapitalanlagen ins Verhältnis mit den Rechnungszinsanforderungen (Garantiezinsen und Zuführung zur Zinszusatzreserve) und gibt damit auch einen Hinweis darüber, wie schwer künftig die Belastungen wiegen können. Mit einem Klick auf den Unternehmensnamen können Sie sämtliche Ertragsquellen im zeitlichen Verlauf vergleichen. Die Übersicht gibt es auch als Download als (PDF). Sämtliche Versicherer dort sind ebenfalls verlinkt.

Alle Angaben ohne Gewähr. Zum Vergleich mit den Vorjahren.  

Achtung:

Eine einzelne Kennzahl kann ein umfassendes und qualifiziertes Rating nicht ersetzen. Für Gesellschaften, die keine Ratings bestellen, liefert sie aber aufschlussreiche Einblicke. Die Zahl dieser Lebensversicherer wächst zurzeit, da nur Gesellschaften mit einem Interesse an Neugeschäft noch Ratings in Auftrag geben.

Fazit: Für die Kunden besteht aktuell auch vor dem Hintergrund der Run-off Debatte kein Grund zur Panik. Für den Schutz hat hier die Versicherungsaufsicht BaFin die Einhaltung des §13 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) zu gewährleisten. Im Fall eines Run-offs dürfen Versicherte nicht schlechter als vorher gestellt sein.

Wo finde ich einen Überblick über die Ertragslage der Lebensversicherer?

Policen Direkt hat als größter institutioneller Versicherungsnehmer Deutschlands die Übersichtstabellen zu den Ertragsquellen der Lebensversicherer erstellt. Nach dem Klick auf den Unternehmensnamen in der Übersicht finden Sie die Pflichtangaben der vergangenen vier Jahre. Damit können Sie – anders als auf der Website des Versicherers – die Entwicklung der einzelnen Positionen direkt nachvollziehen und mögliche Trends erkennen.

Policen Direkt hat als größter institutioneller Versicherungsnehmer Deutschlands die Übersichtstabellen zu den Ertragsquellen der Lebensversicherer erstellt. Nach dem Klick auf den Unternehmensnamen in der Übersicht finden Sie die Pflichtangaben der vergangenen vier Jahre. Damit können Sie – anders als auf der Website des Versicherers – die Entwicklung der einzelnen Positionen direkt nachvollziehen und mögliche Trends erkennen.

Grafik: Nach Klick auf Ihren Lebensversicherer erhalten Sie den Überblick über die Ertragsquellen.

Was macht einen finanzstarken Lebensversicherer aus?

Klicken Sie in der Tabelle oben auf den Unternehmensnamen und vergleichen Sie. Checken Sie die Angaben Ihres Versicherers auf folgende Angaben:

  • Werden in sämtlichen Bereichen Erträge erwirtschaftet (Der Eintrag „–“ bedeutet, dass der jeweilige Bereich mit einem negativen Ergebnis abgeschlossen hat)

  • Reichen die Kapitalerträge aus, die Beteiligungen für den Posten “Rechnungszins“ (Garantieverpflichtungen und ZZR) zu bezahlen (Finanzstärke über 100 Prozent)?

  • Ist dies nicht der Fall? Dann sollten Sie einen Blick auf Risikogewinne und sonstige Gewinne werfen.

  • Ist die Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung (Rfb) höher als im Vorjahr. Je höher die freie Rfb, desto größer der Puffer, um die Überschussbeteiligung möglichst konstant zu halten. Wie groß dieser Puffer ist, können Sie hier nicht erkennen. Diese Info findet sich in den Geschäftsberichten.

  • Die Summe der Erträge sollte über der Summe der Beteiligungen liegen.

Je besser eine Versicherung den Rechnungszins mit ihren Kapitalerträgen bewältigen kann (Finanzstärke über 100), desto besser kann sie auch ihre Kunden behandeln. Umgekehrt gilt, dass je schwerer eine Versicherung sich tut, den Rechnungszins zu bedienen, umso mehr muss sie ihre Überschüsse kürzen oder sich damit beschäftigen ihr Neugeschäft einzustellen und womöglich einen Run-Off einzuleiten.

Achtung:

Liegt die Finanzstärke über 100 Prozent, lässt das nicht zwangsläufig auf eine besondere Ertragsstärke des Unternehmens schließen. Überdurchschnittlich hohe Erträge können auch aus der Auflösung von Reserven kommen, die dann in der Zukunft fehlen. Liegt allerdings die Finanzstärke über mehrere Jahre unter 100 Prozent, lohnt sich ein detaillierter Blick in die Solvenzberichte.

In welcher Höhe müssen Lebensversicherer Ihre Kunden mindestens beteiligen?

Lebensversicherer müssen ihre Kunden an den Gewinnen beteiligen, für jede Ertragsquelle gibt es vorgeschriebene Ausschüttungsquoten. Das schreibt die gesetzliche Mindestzuführungsverordnung (MindZV) vor: Gewinne aus der Kapitalanlage:Mindestens 90 Prozent der Kapitalerträge – abzüglich der Aufwendungen für den Rechnungszins – kommen über die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) den Versicherten zugute. Diese Erträge können Versicherer dadurch erhöhen, indem Sie Bewertungsreserven realisieren. Risikoergebnis: Mindestens 90 Prozent des Risikoergebnisses gehen verpflichtend in die RfB. Unter diesem Posten finden sich die an den Kunden abzuführenden Gewinne aus Leistungsfällen (Tod, BU, Invalidität), die günstiger als prognostiziert ausgefallen sind. Diese Quelle ist abhängig von der Zusammensetzung des Bestandes, nicht aber von der Situation an den Kapitalmärkten. Übriges Ergebnis: Der Gesetzgeber schreibt vor, dass mindestens 50 Prozent des übrigen Ergebnisses in die RfB gehen. Versicherer mit effizienter Verwaltung sind hier im Vorteil und können hier mit entsprechend höheren Gewinnen punkten. Versicherer müssen ihre Kunden darüber informieren, wofür sie die Erträge brauchen, in welche Posten diese fließen: Rechnungszins:Die Verpflichtungen aus den Garantiezinsen im Policenbestand, inklusive Zuführung zur gesetzlich vorgeschriebenen Zinszusatzreserve (ZZR). Diese Kennzahl kann deshalb auch ohne Neugeschäft steigen, wenn weitere Reservierungen in die Zinszusatzreserve notwendig sind. Direktgutschrift: Direkte Beteiligung an den aktuellen Überschüssen, die nicht in die Rückstellungen gehen. Zuführung zur RfB: Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen werden als Sicherheitspuffer für die Überschussbeteiligung der kommenden Jahre gebildet. Die Zuführung und die Ausschüttung ist gesetzlich streng geregelt, so müssen die in die RfB einbezahlten Erträge spätestens nach 5 Jahren an die Versicherten ausgeschüttet werden. In der Mindestzuführungsverordnung (MindZV) gibt es mit dem §15 seit Inkrafttreten des LVRG einen Paragraphen, der den Versicherern vorschreibt, welche Informationen er zu den Ertragsquellen in welcher Art und Weise zu veröffentlichen hat. Die Form hat der Gesetzgeber vorgegeben:

Wie müssen Versicherer über die Ertragsquellen informieren?

§15 MindZV schreibt den Versicherern dabei nicht nur vor, welche Informationen in welcher Form und in welcher Reihenfolge veröffentlicht werden sollen. Vorgeschrieben ist seit 2015 ferner, dass diese Angaben für jedermann im Internet frei zugänglich sein sollen an einem Ort, der den Kunden über die Standmitteilung zugänglich gemacht werden soll. Bis dahin war die einzige Pflichtangabe auf der jährlichen Standmitteilung die der erreichten Überschüsse. Denn die Mitteilung des Rückkaufswertes, des Todesfallschutzes und der Ablaufleistung war – entgegen landläufiger Erwartung – bis vor kurzem keineswegs obligatorisch. Seit Juli 2018 gelten hier strengere Regeln strengere Regeln für die Standmitteilungen. Weitere Pflichtangaben sind dann Todesfall-Leistung, garantierte Ablaufleistung, garantierte Ablaufleistung bei Beitragsfreistellung und der aktuelle Auszahlungsbetrag bei Kündigung. Dazu kommen seit 2017 die Solvenzberichte, in denen die Unternehmen im Frühjahr über ihren Finanzstatus Auskunft geben müssen. Die Informationspflicht erstreckt sich auch auf Versicherer, die ihr Neugeschäft eingestellt haben und auf sogenannte Run-off Plattformen, die Lebensversicherungsbestände übernehmen und fortführen.  

Wie können die Lebensversicherer auf ihre Ertragsquellen einwirken?

Mit dem Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) hat der Gesetzgeber den Versicherern auch die Möglichkeit gegeben, ein negatives Kapitalergebnis mit einer positiven anderen Ergebnisquelle wie zum Beispiel den Verwaltungskosten zu subventionieren.

Henning Kühl: „Wir nehmen an, dass davon rege Gebrauch gemacht wird. Lebensversicherer mit hohen Garantiezinsverpflichtungen, bei denen die Kapitalerträge alleine nicht ausreichen, um die Zusagen aus dem Rechnungszins zu erfüllen, müssen diese Möglichkeit in Betracht ziehen.“

Dies betrifft demnach vor allem das Risikoergebnis. Das kann aber auch zur Reduzierung oder Stabilisierung der Verwaltungskostengewinne führen. Wenn Kosten und Risikogewinne herangezogen werden müssen, ist das für Kunden nachteilig. Es bedeutet, dass diese Erträge nicht mehr wie bisher zu zusätzlichen Ausschüttungen führen beziehungsweise bei Risikoversicherungen nicht mehr zur Reduzierung der Beiträge zur Verfügung stehen.

„Damit kann man sagen, dass Verwaltungskostengewinne auch Aussagekraft über die Finanzkraft eines Unternehmens haben. Verwaltungskostengewinne sind zukünftig immer mehr Zeichen für hohe Finanzkraft und günstiges Wirtschaften“, erläutert Kühl, der im An- und Verkauf von Policen jährlich tausende Verträge auf Herz und Nieren prüft. „Kostengünstige Versicherer können ihren Kunden zudem bereits zum Vertragsbeginn attraktivere Konditionen bieten.“

Er hält dies für eine Grundvoraussetzung, um weiter am Markt bleiben zu können. Experten fürchten, dass Versicherungsgesellschaften auf diese Weise Verluste zu Lasten anderer Tarife wie Risikolebensversicherungen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen verrechnen.

Achtung:

Es spricht aktuell nichts dagegen, dass sowohl die Versicherer mit Verträgen im internen Run-off als auch die Run-off-Plattformen ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen und die Garantien erfüllen.

Policen Direkt beobachtet, dass viele Kunden aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage eine Kündigung ihrer Police in Betracht ziehen. Eine akute Verschlechterung der Finanzstärke stellt indes keinen hinreichenden Grund für die vorzeitige Beendigung des Vertrages dar. „Wenn Lebensumstände es dennoch erfordern, dann ist in jedem Fall der Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt, bei Anbietern wie Policen Direkt, weiterhin die bessere Alternative“, erklärt Henning Kühl. Hintergrund: Für mehr als zwei Drittel der Deutschen ist Finanzstärke und Bonität des Lebensversicherers wichtig, so das Ergebnis einer Befragung von Kantar-Emnid von 2017. Fast 30 Prozent besitzen eine Lebensversicherung und die Mehrheit wünschen sich nachweislich Garantien für die Altersvorsorge.

Wieso sind die Transparenzdaten der Lebensversicherer wichtig für Policen Direkt?

Policen Direkt-Geschäftsführer Max Ahlers erläuterte jüngst im Branchenmagazin AssCompact, warum gute Kennzahlen wichtig sind: „Wir verwalten rund 12.000 Lebensversicherungsverträge im Wert von knapp 1 Mrd. Euro. Für den nachhaltig erfolgreichen Ankauf von Lebensversicherungen sind für uns die Transparenzdaten deutscher Lebensversicherer extrem wichtig. Wir müssen nämlich neben individuellen Vertragsdaten auch die langfristige Sicherheit der Versicherer im Auge haben. Um für mehr Transparenz in der Versicherungsbranche zu sorgen, teilen wir unsere Analysen zu den Standmitteilungen, zur laufenden Verzinsung, zur Mindestbeteiligung an den Ertragsquellen und zu den Solvenzquoten mit der Öffentlichkeit. Wir betreiben damit ein Stück weit Verbraucherschutz aus Geschäftsinteresse.“

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4 Kommentare zu “Ertragsquellen der Lebensversicherungen in der Übersicht

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