Die fünf größten Mythen über die Lebensversicherung

von Henning Kühl | | Infos, News, policendirekt

Das Thema Lebensversicherung löst immer wieder rege Diskussionen und auch die größten Mythen aus; oft geht es dabei um nicht mehr oder weniger als ein Pro oder Contra. Die Debatte zeigt auch, dass die aktuell diskutierte Neuregelung der Bewertungsreserven auf ungeteiltes Interesse trifft. Schließlich besitzen fast 90 Millionen Deutsche eine Lebensversicherung – mehr als die Bundesrepublik Einwohner hat. Sie wollen wissen, ob sie mit ihrer Geldanlage die richtige Entscheidung getroffen haben. Hinzu kommen jährlich neue Absolventen und Berufsanfänger, die sich um ihre Altersvorsorge Gedanken machen müssen. Außerdem konkurriert die Lebensversicherung stets mit anderen Anlage- und Vorsorgeprodukten. Welche ist nun die richtige? Dabei gibt es kaum ein Themengebiet, das nicht mehr mit Irrtümern und Fehlinformationen behaftet ist, als die Lebensversicherung. Dies ist vor Allem der Komplexität des Produktes geschuldet, die selbst Fachleute oft nicht durchschauen. Wie soll dann erst der Verbraucher den Überblick bekommen, geschweige denn, Vertrauen in seine Geldanlage haben? Hier finden Sie fünf Thesen, die man in der Presse und in verschiedenen Diskussionsforen finden konnte – und deren Widerlegung:

  • Die Lebensversicherung ist ein Auslaufmodell

    Diese Prophezeiung ist eigentlich fast schon so alt wie die Lebensversicherung selbst. Sie wird vor allem dann aufgestellt wenn Verkäufern für alternative Produkte werben wollen. Und welche Strategie wäre wohl besser geeignet, einen Aktienfonds zu verkaufen, wenn man die Lebensversicherung als Auslaufmodell darstellt. Dies ist sie aber nicht. Unter den Anlageempfehlungen der Wirtschaftspresse wird man immer wieder auf die gute, alte Lebensversicherung stoßen. Woran liegt das? Paradoxerweise genau in dem Szenario, das immer wieder für die Todesprognose der Lebensversicherung herbeimüht wird: Die Niedrigzinsproblematik auf den Kapitalmärkten. Zwar garantieren die Versicherer bei Neuabschlüssen nur noch 1,75% auf den Sparanteil. Darüber hinaus besitzen sie jedoch verzinste Anlagen aus der Hochzinsperiode, die immer noch eine Gesamtverzinsung um die 4% liefern, wie die Financial Times Deutschland schreibt. Investoren, die nicht auf den Versicherungsschutz angewiesen sind, können auf dem Zweitmarkt übrigens auch heute noch Altpolicen mit einer Garantieverzinsung von 4% erwerben: Vor dem Hintergrund des Niedrigzinsszenarios ist eine solch hohe Verzinsung einmalig, wenn man bedenkt, dass die Lebensversicherung eines der sichersten Anlageprodukte ist, die es gibt. Und damit kommen wir auch schon zur zweiten These:

  • Die Lebensversicherung ist unsicher

    In vielen Diskussionsforen ist von dem §89 VAG die Rede, auch genannt: Der „Enteignungsparagraph“. Erstaunlicherweise wird dieses Gesetz, das dem Schutz des Anlegers dient, oft gegen das Produkt verwendet. Wie ist das möglich? Hier liegt eine Fehlinterpretation zugrunde. Deshalb sollte man sich, wenn man sich mit dem VAG beschäftigt, gewisses juristisches Hintergrundwissen besitzen. Dann wird man feststellen, dass der §89 VAG eines der besten Verkaufsargumente ist, die es für die Lebensversicherung gibt. Das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) ist eine Vorschrift, die – wie der Name schon sagt – der Aufsicht der Versicherer dient. Urheber ist die dafür zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), deren Aufgabe es ist, über die finanzielle Stabilität von Banken und Versicherungen zu wachen. Und eine Versicherung ist letzten Endes nichts anderes als eine Bank. Denn ginge eine Bank oder Versicherung bankrott, zöge das erhebliche Folgeschäden nach sich. Geldinstitute sind somit systemrelevant und stehen unter besonderer Beobachtung der Bundesregierung. Der Zweck des VAG liegt also in der Insolvenzprophylaxe, d.h. dass im Falle einer theoretisch nicht ausschließbaren Insolvenz die Kunden weiterhin versichert bleiben. Das ist folglich gegenüber einer echten Insolvenz ein Vorteil, die Vorschrift dient also dem Schutz der Kunden. Der §89 sagt, dass die BaFin ein zeitlich begrenztes Zahlungsverbot im Insolvenzfall erlassen kann. Dies bedeutet, dass das betroffene Lebensversicherungsunternehmen an bestimmte oder alle Gläubiger keine Auszahlungen vornehmen darf. So kann die BaFin eine Zahlungsunfähigkeit vermeiden und bekommt die notwendige Zeit, sich einen Überblick über die Lage und das weitere Vorgehen zu verschaffen. Der Versicherungsnehmer verliert dadurch aber nicht seinen Anspruch auf die Versicherungsleistung – was letztendlich der Sinn dieses Paragraphen ist. Der Zeitraum ist in jedem Einzelfall davon abhängig, wie lange die BaFin benötigt, um weitere Maßnahmen zur Sanierung des Unternehmens veranlassen zu können. Um einen Überblick über die vollständigen Kontrollinstrumente der BaFin zu erhalten, sollte man daher das VAG bereits ab §81ff zu lesen. Das Gesetz greift nämlich bereits bei ersten Zahlungsschwierigkeiten und nicht erst, wenn es schon zu spät ist, d.h. die Insolvenz eingetreten ist. Insolvenzen sollen ja dadurch vermieden werden. In keinem Land der Welt ist soviel Kapital in Lebensversicherungen angelegt worden, wie in Deutschland. Der Gesetzgeber hat also ein großes Interesse daran, dass die Lebensversicherer engmaschig beaufsichtigt werden und zu diesem Zweck auch eines der dichtesten Gesetzwerke geschaffen, die es in der vergleichbaren Gesetzesliteratur gibt. (Der Vollständigkeit halber: Dazu wurde auch die Auffanggesellschaft Protektor AG geschaffen). Aus diesem Grund zählen Lebensversicherungen also zu Recht zu den sichersten Geldanlage überhaupt – und zwar auch deshalb, weil es Paragraphen, die den §89VAG gibt. Versicherungsmakler sei also empfohlen, sich beim Verkaufsgespräch ausdrücklich auf §89VAG zu beziehen!

  • Man wird beim Policenankauf betrogen

    Viele Verbraucher sind von unterschiedlichen Berichten der Verbraucherschützer alarmiert, in denen Fälle geschildert worden, bei denen die Versicherten beim Verkauf ihrer Lebensversicherung von Betrügern – teilweise sogar direkt an der Haustür oder über das Telefon – über den Tisch gezogen worden sind. Entweder wurde eine Auszahlung in Raten versprochen, welche dann nicht eintrafen – oder die Ankäufer berechneten überzogene „Ankaufsgebühren“ und schmälerten somit den Erlös. Die Stiftung Warentest hat im letzten Jahr dazu einen Testbericht veröffentlicht, dessen Kurzfassung hier nachzulesen ist. Wie man dem Artikel entnehmen kann, sollte man vor Verkauf der Lebensversicherung unbedingt einige Kriterien beachten: 1. Die Auszahlung sollte in einer Summe und nicht in Raten erfolgen 2. Es sollte ein Mehrerlös über Rückkaufswert gezahlt werden. Und dieser sollte selbstverständlich auch nicht durch offene oder versteckte Kosten (“Ankaufsgebühren” o.ä) geschmälert werden. 3. Der Ankäufer sollte Mitglied im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen sein. Auf der Homepage des BVZL findet man auch die ausführlichen Ankaufskriterien. Hält man sich an diese Regeln, wird man auch auf keinen Betrüger hereinfallen.

  • Es gibt bessere Geldanlagen als die Lebensversicherung

    1,75% Rendite zahlen Versicherer aktuell bei Neuabschluss – und das auch nur auf der Sparanteil. Das klingt nicht gerade nach einem verlockenden Angebot. Der Garantiezins ist aber nur ein Teil der Gesamtverzinsung, die sich zusätzlich aus laufenden und Schlussüberschüssen ergibt. Die Überschüsse sind abhängig davon, wie der Versicherer gewirtschaftet hat. Da dies natürlich auch vom Marktumfeld abhängt, lässt dies kaum eine Garantie zu. Zuverlässige Überschussprognosen gibt es aber schon. Sie werden regelmäßig in der Wirtschaftspresse veröffentlicht. Im Durchschnitt liegt die aktuelle Beitragsverzinsung bei 4,61% – hier kann man die Renditeperformance bereits abgelaufener Policen einsehen: . Übrigens ist es auch heute noch möglich eine Altpolice zum garantierten Zinssatz von 4% zu erwerben – auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Jedes Versicherungsprodukt ist individuell und hat somit auch einen unterschiedlichen Wert, denn es gibt zahlreiche Kriterien, die für die Bewertung eine entscheidende Rolle spielen, z.B. die biometrischen Daten der versicherten Person, das Ranking des Versicherers, die Laufzeit usw. Deswegen zahlen Policenankäufer auch unterschiedlich hohe Kaufpreise, die in der Regel zwischen 1 bis 4 Prozent über Rückkaufswert betragen (in Einzelfällen bis zu 15%). Es gibt auch Policen, die nicht angekauft werden können, beispielsweise, wenn Sie erst vor wenigen Jahren abgeschlossen worden sind, der Rückkaufswert also noch zu niedrig ist. Ab welchem Zeitpunkt man also auch für den Policenverkäufer von einer positiven Beitragsrendite sprechen kann, ist individuell sehr unterschiedlich. Fakt ist, dass sie zum Ablauftermin stets positiv ist. Wenn der Versicherte seine Police an den Zweitmarkthändler verkauft, erzielt er damit in der Regel bereits eine positive Beitragsrendite, denn der Mehrerlös, den er dafür erhält, entspricht einem Teil des vorweggenommenen Gewinns, die bei Ablauf der Police vom Versicherer ausgezahlt wird.

  • Die Lebensversicherung ist unflexibel

    Eine Grundregel der Geldanlage lautet: Flexibilität geht auf Kosten der Rendite. Darin macht auch die Lebensversicherung keine Ausnahme. Im Gegenteil: Um hohe Renditen zu erwirtschaften, die auch sicher sind (kein anderes Anlageprodukt kann es sich leisten, Zinsgarantien zu geben), muss das Geld möglichst langfristig angelegt werden: Je langfristiger, desto wahrscheinlicher ist eine hohe Rendite. Deswegen erzielen Versicherungspolicen mit einer Laufzeit von 30 Jahren auch bessere Erträge, als beispielsweise Policen mit einer Laufzeit von nur 15 Jahren. Als Geldanleger fragt man sich daher zu Recht: 30 lange Jahre, an denen man nicht an sein angespartes Kapital kommt? Theoretisch schon, denn jedermann weiß, dass eine vorzeitige Kündigung des Versicherungsvertrages stets mit hohen Einbußen verbunden ist. Verbraucherverbände warnen daher regelmäßig vor der Kündigung. Genau deswegen gibt es aber den Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Denn der Zweitmarkthändler kauft die Police an, um diese weiterzuführen und verhindert somit eine Kündigung. Der Versicherte bleibt daher in der Regel auch nach Verkauf der Police noch versichert und behält einen Rest-Versicherungsschutz. Der Zweitmarkt bietet den Versicherten somit eine Option, bereits vor Ablauf der Versicherungsfrist, den Rückkaufswert samt Vorschuss auf die Beitragsrendite auszahlen zu lassen. 

Fazit:

Die Lebensversicherung ist eine Geldanlage mit einem optimalen Rendite-Risiko-Verhältnis. Der Zweitmarkt verschafft dem Versicherten die notwendige Flexibilität und bietet gleichzeitig Investoren eine sichere Anlagemöglichkeit. Versicherte, denen der Todesfallschutz zur Absicherung ihrer Familie wichtig ist, bleiben zudem auch nach Verkauf ihrer Police noch versichert.

Von 

 

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