Lebensversicherung kündigen – welche Alternativen gibt es?

Zugegeben: Es ist kein Thema, mit dem man sich allzu gern beschäftigt. Aber irgendwann hat jeder schon mal über seine Altersvorsorge nachgedacht – oder nachdenken müssen. Und dann hat man – um das Thema endgültig vom Tisch zu haben – eine Lebensversicherung abgeschlossen: Mit der Zahlung einer monatlichen Prämie an die Versicherungsgesellschaft über 20, 30 Jahre ist man dann abgesichert: Sowohl gegen den Tod (Einkommensausfallrisiko) als auch gegen Altersarmut. Denn die Lebensversicherung ist die einzige Versicherung, die auch zahlt, wenn der Versicherungsschaden nicht eintritt. Genau das ist auch das Geheimnis ihrer Beliebtheit. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, GDV, benennt die Zahl der laufenden Verträge auf 93,6 Millionen. Das bedeutet, dass bei einer Einwohnerzahl von knapp 82 Millionen jeder Einwohner etwa 1,14 Policen besitzt, Säuglinge und Greise inbegriffen. Doch irgendwann können die Prämien – in der Regel liegen sie im dreistelligen Bereich – zu einer echten Belastung werden. Die Gründe dafür können vielfältigster Art sein: Plötzliche Arbeitslosigkeit, Immobilienerwerb, Erkrankung, Studium der Kinder – um nur einige mögliche Beispiele zu nennen. Lange bleibt die Lebensversicherung unangetastet. Doch spätestens, wenn man teure Dispo- oder Ratenkredite in Anspruch nehmen muss, nur um die Versicherungsprämien bedienen zu können, merkt man, dass es Zeit ist zu handeln. 

Lebensversicherung kündigen: Die schlechteste aller Optionen 

Manchmal genügt es schon, die Prämien zu reduzieren oder eine Zeit lang deren Zahlung auszusetzen. Inwieweit die Versicherer den Haushalten dabei entgegenkommen, liegt in ihrem eigenen Ermessen. Oft reicht eine Stundung aber nicht mehr aus, um den Liquiditätsbedarf zu decken und es bleibt scheinbar nur noch eine Option übrig: Die Lebensversicherung kündigen. Der Versicherer zieht dann vom Rückkaufswert eine Stornogebühr ab – und zahlt die Differenz an den Versicherungsnehmer aus. Der Versicherungsschutz erlischt mit sofortiger Wirkung. Warum die Versicherer diese Stornohandlung „Rückkauf“ nennen – bleibt dabei ein Rätsel. 

Die Alternative zur Kündigung: Verkauf auf dem Zweitmarkt 

Jeder Versicherte bekommt einmal im Jahr den Rückkaufswert seines Versicherungsvertrages mitgeteilt. Dieser Rückkaufswert stellt ein sogenanntes Asset dar. Das bedeutet, er hält einen wertvollen Gegenstand in der Hand, den er nach Belieben beleihen oder verkaufen kann. Haushalte können verschiedene Assets besitzen: Immobilien, wertvolle Münzen, Autos – oder eben Lebensversicherungen. Diese Assets sind alle handelbar und können bei Liquiditätsengpässen natürlich verkauft werden. Würden Sie auf die Idee kommen, Ihr Grundstück oder Ihr Auto zu kündigen? Eben! Würden Sie ihr Auto „kündigen“ – hieße das, dass sie es auf den Schrottplatz fahren und für dessen Verschrottung eine Gebühr zahlen müssten: Eben die Stornogebühr. Dies scheint nicht sehr attraktiv. Stattdessen würden Sie eher versuchen, das Auto auf dem Zweitmarkt zu verkaufen, um denn reellen Wert ausgezahlt zu bekommen. Genauso verhält es sich bei Lebensversicherungen. Hinzu kommt: Wenn sie das Auto verschrotten, hört es auf zu existieren. Verkaufen Sie es aber, fährt es nur ein anderer, aber es existiert weiter. Auch hier verhält es sich genauso bei der Lebensversicherung. Statt die Police zu kündigen sollten Sie die Lebensversicherung verkaufen, damit sie nicht storniert wird, sondern weiterhin bestehen bleibt. Denn nur so kann ein Rest-Todesfallschutz – auch nach ihrem Verkauf auf dem Zweitmarkt – aufrechterhalten werden. Denn der Investor wird dann an ihrer Stelle die Prämien weiterzahlen. Sie bleiben weiterhin die vertraglich vereinbarte versicherte Person. 

Warum wussten Sie davon noch nichts? 

Die Versicherer verdienen ihr Geld so oder so. Wenn Sie bis zum Ende durchhalten, bekommen diese 30 Jahre lang von Ihnen die Prämienzahlungen, wenn Sie die Lebensversicherung kündigen, bekommen diese von Ihnen die Stornogebühr. Außerdem werden die Risikokosten von Anfang an tariflich in das Produkt „Lebensversicherung“ einkalkuliert. Der Versicherer nimmt also im Zweifelsfall lieber das schnelle Geld von Ihnen, als Ihnen zu erzählen, dass Sie auf dem Zweitmarkt viel mehr Geld für Ihre Police erhalten würden. Die Kündigung ist ein standardisierter Prozess, der dem Versicherer zudem kaum Mühe bereitet. Ein weiterer Grund liegt darin, dass sich auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen einige schwarze Schafe tummeln, die mit windigen Renditeversprechen locken oder die Police gegen eine hohe Gebühr kaufen, und dann versprechen, eine Nachzahlung beim Versicherer auf dem Klageweg zu erreichen. Das alles hat mit dem Zweitmarkt natürlich nichts zu tun. Dafür gibt es den Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) e.V. Dieser Verband hat auf seiner Homepage einen Leitfaden veröffentlicht, den Sie vor Verkauf Ihrer Lebensversicherung auf jeden Fall durchlesen sollten.

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2 Kommentare zu “Lebensversicherung kündigen – welche Alternativen gibt es?

  1. Rät die Verbraucherzentrale Hamburg nicht generell von Lebensversicherungen ab – und empfiehlt somit implizit deren Kündigung?

    1. Hallo Stephan,

      die Verbraucherzentrale Hamburg ist in der Tat schon lange als schärfste Kritikerin der Lebensversicherung bekannt und riet in der Vergangenheit stets pauschal zu deren Kündigung, offenbar in vollkommener Unkenntnis des Zweitmarktes für Lebensversicherungen, die auch immer wieder in Interviews ihrer führenden Sprecherin Edda Castelló zum Vorschein kommt: „Wer soll diesen Mist denn kaufen?“ äußerte sie sich beispielsweise gegenüber der Wirtschaftswoche: http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/policen-loswerden-wann-sollte-verkauft-werden/8773354-3.html. Darin setzt sie sich durchaus auch mit Policenankäufern auseinander und gibt den wichtigen Hinweis, dass man sich auf jeden Fall den vollständigen Kaufpreis sofort und nicht in Raten auszahlen lassen sollte. Mit Unterscheidung in einen seriösen und unseriösen Zweitmarkt findet nun also auch diese Kündigungsalternative Eingang in die Gedankenwelt der Hamburger Verbraucherschützer. Dieser langsam einsetzende Sinneswandel ist auch der Tatsache zu verdanken, dass Castello seit September 2013 Aufsichtsratschefin des Bundes der Versicherten (BdV) ist, der sich schon lange für die Möglichkeit des Verkaufs von Lebensversicherungen einsetzt. Außerdem ist die Hamburger Niederlassung die einzige von insgesamt 16 Verbraucherzentralen der Länder, die eine derart einseitige Einstellung zur Lebensversicherung pflegt. Die übrigen 15 Verbraucherzentralen vertreten hierzu eine durchaus neutrale Position und haben auch schon des Öfteren den Zweitmarkt als verbraucherfreundliche Kündigungsalternative empfohlen, wie Sie hier zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale Bayern sehen können: http://www.tz-online.de/aktuelles/wirtschaft/lebensversicherung-altersvorsorge-tipps-alternativen-experte-sagt-tz-3035874.html

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